Glimpflich verlaufener TU in Bayern Abgesandt von Jessica am 31.08.2001 - 17:45:
Heute mittag stiegen zwei Taucher (genehmigterweise) in einem fränkischen Angelsee ab. Sicht bei etwa 10m !
Auf einer Tiefe von ca. 15m signalisierte einer der beiden Luftnot. Für den Buddy war kein Problem zu erkennen, es blies nichts ab und auch der Inflator funktionierte noch. Der Buddy reichte den Zweitautomaten, der aber umgehend wieder ausgespuckt wurde. Auch der Hauptautomat wurde verweigert. Da inzwischen offenbar der Atemreiz einsetzte, hat der Taucher daraufhin Wasser eingeatmet, einen Stimmritzenkrampf erlitten und geriet in Panik. Der Buddy versuchte noch den Aufsteig zu bremsen, was aber nur bedingt gelang. Glücklicherweise wurde der Verunfallte auf ca. 7m bewußtlos. Woraufhin er vom Partner geborgen wurde (daher ist bekannt, das der Inflator und die Luftversorgung funktionierte)und an Land verbracht wurde. Mangels ausreichender Eigenatmung wurde mit zum Glück mitgeführtem Beatmungsbeutel ein wenig nachgeholfen. Nach dem Eintreffen des Rettungsdienstes wurden beide Taucher ins nächste Krankenhaus transportiert. Taucher 1 mit Verdacht auf Lungenriss, Taucher 2 mit Verdacht auf Lungenüberdehnung.
Bei Nr. 1 bestätigte sich der Verdacht, jedoch nur in geringem Ausmass, sodaß ihm eine Thoraxdrainage erspart blieb. Bisher steht er jedoch noch unter Schock und konnte zum Hergang keine Angaben machen (Amnesie). Taucher zwei geht es soweit gut, sie hat sich selbst nach einigen Stunden aus dem Krankenhaus entlassen und klagt lediglich über Muskelkater im Oberkörperbereich (durch die Bergung bedingt).
Antwort von Andy am 01.09.2001 - 07:34 Stimmritzenkrampf - was kann man als Buddy tun wenn das passiert ist ? Wie muß/soll man sich verhalten in dieser Situation ?
Antwort von Sebastian Gnotke am 01.09.2001 - 09:03 Es klingt hart, aber man muß den Buddy solange festhalten, bis er bewußtlos wird.Durch die Bewußtlosigkeit löst sich der Krampf !
Hält man ihn nicht auf Tiefe, kommt es sonst auf dem Weg nach Oben zum Lungenüberdruckunfall = Lungenriß, weil die Luft in der Lunge nicht entweichen kann.
Antwort von Jessica am 01.09.2001 - 09:39 Aber das versuch mal... einen in Panik geratenen, der unbedingt nach oben will, kann man so gut wie nicht halten. Da muß man schon überbleit sein und zudem Bärenkräfte besitzen ! Noch besser, wenn der Inflator der Buddies nicht fuktioniert, so dass er nicht draufhauen kann.
Ich kann euch sagen, es ist durchaus ein zwiespältiges Gefühl, wenn der Buddy UW bewußtlos wird. Einerseits denkt man: "Scheiße..." andrerseits: "Zum Glück, da passiert wenigstens nichts oder nur wenig mit der Lunge !"
Antwort von Sebastian am 01.09.2001 - 10:21 Hallo Jessica
Ich muß dir ganz klar Recht geben, wenn er unbedingt nach Oben will, ist es für einen sehr schädlich, sich dem in Panik geratenem von vorne zu nähern.
Unser Problem ist es, als Buddy innerhalb von Sekunden eine Diagnose zu stellen, was mit dem Partner los ist.
Bei einem Stimmritzenkrampf würde ich mich dem Partner nur hinten nähern, weil ich mit meinen Beinen seine Flasche fixieren kann, und beide Hände frei habe, um den Inflator oder den Notablaß zu bedienen, ggf den Atemregler zu fixieren.Der Partner kann schlagen wie er will und er erwischt mich nicht.
Wenn er sich dann ausgestrampelt hat ( bewußtlos wird )sollte es möglich sein, ihn ohne Probleme an die Oberfläche zu bringen und
ihn dann zu Versorgen.
Aber jeder Taucher wünscht sich hoffendlich passiert das NIE !!
Antwort von Edip am 01.09.2001 - 20:06 Wenn jemand in Luftnot gerät, dann Wasser schluckt und einen Stimmritzenkrampf bekommt möchte ich sehen ob ihr soviel Kraft besitzt und in der Situation kaltblütig genug bleibt diesem jemand der euer Buddy ist den ihr vielleicht jahrelang kennt lange genug unten zu halten bis er ohnmächtig wird.
Da müsst ihr erst mal nur auf euch selber achten damit ihr selber nicht in Panik geratet, denn der wird hochschiessen und wollt ihr ihn daran hindern wird er euch treten attakieren usw. denn der denkt dass ihr ihn behindert sein eigenes Leben zu retten in dem Moment denkt der an alles andere aber nicht daran das ihr ihn solange unten halten wollt bis er ohnmächtig wird.
Blöde Situation ich denke ihr habt da gar keine Zeit euch von hinten oder unten oder so zu nähern.
Man muss natürlich immer versuchen seinem Buddy zu helfen nur immer unter der Voraussetzung sich selber nicht zu gefährden.
Antwort von Jessica am 01.09.2001 - 20:16 Attakieren.. stimmt.. deutlicher Zeuge: Die blauen Flecke am Oberkörper... Rankommen hat dann schon geklappt, allerdings nicht ohne Mühe...
Es war dann sozusagen Glück, dass es der erster TG mit ihm war.. da hatte gab`s keine Hemmungen, ihm auch eins auf die Nase zu geben.
Andrerseits: er hat über 500 TG und leider immer noch Amnesie. Wir werden wohl nie erfahren, was mit ihm los war !
Antwort von robert am 02.09.2001 - 15:20 Sorry, aber das mit dem "beabsichtigten Bewustseinsverlust unter Wasser" halte ich nicht für" erfolgversprechend .....!!
Woher habt Ihr das ???
Grüße
Robert
Antwort von Jessica am 02.09.2001 - 16:55 Sowas wird gelehrt ! Im ersten Tauchkurs (jedenfalls beim VDST - und das sage ich jetzt völlig Wertungsfrei, ehe sich wieder jemand angegriffen fühlt) und es ist zutreffend: In dem Moment, wo die Person bewußtlos wird, löst sich der Stimmritzenkrampf und die Luft kann wieder entweichen und so einen Pneu verhindern !
Antwort von Andy am 02.09.2001 - 20:04 Bei der ersten Antwort auf meine Frage glaubte ich noch an einen schlechten Scherz, aber nach etwas nachdenken ist es logisch... beabsichtigter Bewußtseinsverlust ! Aber das ist ja fast unmöglich auszuführen - einerseits die Bedenken die man in so einer Situation hat und dann die nötige Kraft um es wirklich zu tun...
Wie erkennt man äußerlich einen Stimmritzenkrampf.
Andy
Antwort von Jessica am 02.09.2001 - 20:55 Gute Frage Also ich hab`s daran erkannt, dass der Atemreiz einsetzte, er ganz eindeutig Wasser zog und sich dann noch mehr verkrampfte, so ähnliche Bewegungen wie "würgen" machte. Ich kann`s nicht genau beschreiben, ich wußte es einfach !
Antwort von Mario Franzky am 03.09.2001 - 14:37 Hallo Jessica,
ich entnehme dem Kommentar, daß Du der Buddy warst? Hut ab!
Aber auch ich habe das während meines Rettungsschwimmerlehrganges schon gelernt. Einen Ertrinkenden notfalls zappeln lassen bis Bewustlosigkeit einsetzt, schon um sich nicht zu gefährden. Über Wasser kein Problem (Nervenstärke vorausgesetzt, da man natürlich nur so lange warten kann bis er absackt). Aber Unterwasser muß ich gleichzeitig noch versuchen Ihn auf Tiefe zu halten.
Auch wenn Du nicht der Buddy warst - Klasse Leistung - toller Buddy
Antwort von Heiko am 03.09.2001 - 14:40 @Jessica: Mein Lob für das bestmögliche Handeln in so einer Sch...-Situation.
Meines Wissens gibt es neben dem Warten auf die Bewusstlosigkeit ,gerade wenn man es nicht schafft den Taucher unten zu halten, noch die Möglichkeit dem Tauchpartner in den Magen zu schlagen, damit wenigstens etwas Luft "abgehustet" wird.
Antwort von Martin am 03.09.2001 - 14:49 Abgesehen von den beschriebenen Rettungstechniken: Mir läuft`s eiskalt den Rücken runter. Mit meinen 40 TG glaube ich die gröbsten mentalen Probleme beim Tauchen überwunden zu haben und die Gefahr der Selbstüberschätzung, die sich bei wachsender Erfahrung möglicherweise einstellt, habe ich immer im Hinterkopf. Aber was ist mit diesem Taucher passiert? Welche Umstände lösen solche Problem aus? Wann passiert mir das?
Ich hoffe, es geht ihm bald wieder gut.
Antwort von Jessica am 03.09.2001 - 22:28 Öhm ja.. ich war der Buddy... Danke für die Komplimente
@ Heiko: ja, das mit dem schlagen hab ich auch mal beim DLRG gelernt.. Ich hab allerdings auf die Nase gezielt. Ich weiß nicht, über Wasser hatte das mehr Erfolg...
Allerdings löst das keinen Stimmritzenkrampf, auch Luft dürfte da nciht entweichen. Es bringt nur einen "panikenden" auf andre Gedanken...
@Martin: Ich habe keine Ahnung. Hab heute nochmal mit dem Krh. telefoniert. Er erinnert sich immer noch nicht (an so gut, wie den ganzen Tag nicht). Ihm geht`s soweit blendend, er wird Mittwoch entlassen. Allerdings kann ich DIr die Frage beantworten, wann es Dir passiert (zumindest der Stimmritzenkrampf): In dem Moment, wo Du zuviel Wasser einatmest. Also versuch das zu vermeiden ! Gefährlich sind da immer stresssituationen, bei denen der Regler aus dem Mund muß. Auch ich hab in der Anfangszeit in der Aufregung schon mal vergessen, ordentlich auszuatmen oder die Luftdusche zu drücken. Auch Überkopf- oder Rückenlagen sind bei manchen Reglern "gefährlich" im Sinne von Wasserzug.
Antwort von Martin am 04.09.2001 - 09:06 @Jessica: Ich kenne das. Mein eigener Regler zieht bei Überkopf auch ein bisschen Wasser. Das hat mich aber noch nie sonderlich gestört. Und auch zu wenig Luft beim Ausblasen kennt doch eigentlich fast jeder. Nach Deiner Beschreibung trat ja auch nicht zuerst der Stimmritzenkrampf aufgrund eines technischen Problems oder so auf, sondern erst nachdem Octopus und Wechselatmung abgelehnt wurden und der Atemreiz einsetzte.
Was mich so entsetzt, ist die Tatsache, dass der Buddy 500 TG hat und trotzdem, sozusagen "unforced", in eine solche Situation geraten ist. Das signalisiert mir einfach, dass trotz aller Erfahrung und bester Ausbildung solch irrationale und unsteuerbare Situationen auftreten.
Antwort von Dieter am 05.09.2001 - 00:49 Hallo Jessica,
Hut ab, die Situation hast Du bestmöglich bewältigt.
Ich glaube nicht, daß es jemandem gelingen wird einen in Panik geraten Taucher von seinem Notaufstieg abzuhalten.
Wenn man jedoch noch in der Lage ist den Aufstieg zu bremsen und mit einem Schlag in den Magen oder auf den Brustkorb den Überdurck in der Lunge zu reduzieren hat man alle eingenen Möglichkeiten ausgeschöpft. Dann sollte man nur dafür sorgen, daß der Buddy die Wasseroberfläche erreicht, man selbst nicht auch noch einen Dekounfall erleidet.
Denn wenn man als Buddy an der Wasseroberfläche angekommen ist hat man ja die Aufgabe möglichst schnell Hilfe zu holen und zu retten. Wenn Du selbst noch einen Unfall hast macht das die Sache nur noch schlimmer.
Antwort von Robert am 09.09.2001 - 14:25 Das mit dem Wasser"einatmen" - als Ursache für einen möglichen Stimmritzenkrampf ist leider nicht die einzig mögliche Ursache.
In Zeiten wo Tauchcomputer noch Raritäten waren und die errechneten Austauchzeiten nicht die Sicherheitsreserve beinhalteten, war ein Kamerad von mir - nach einem Dekounfall - zur Behandlung in der Druckkammer in München .... und - genau dort (also im Trockenen !) erfolgte ein Stimmritzenkrampf ... !!
Ich ließ mir die Geschichte oft erzählen - wie es war, das Gefühl zu wissen, daß erst nach dem Erreichen der Bewusstlosigkeit ein "Aufwachen(atmen)" möglich ist ....
Unter Umständen kann einer von Euch die Sache medizinisch begründen...
Grüße
Robert
Antwort von micha am 21.09.2001 - 07:48 in welches krankenhaus wurden die taucher verbracht und in welcher druckkammer behandelt ?
Antwort von Jessica am 23.09.2001 - 15:33 Von welchen redest Du jetzt, Micha ?
Antwort von Manuela am 24.09.2001 - 21:37 Hallo Robert. Hallo an alle .. Einen Stimmritzenkrampf kann man sowohl an Land als auch beim Tauchen bekommen. Von Natur aus ist es ein Schutzreflex, der das eindringen von Fremdkörper in die Lunge verhindern soll. Er ist aber auch oft stark abhängig von der psychischen Verfassung des Betroffenen. Gerade in Angst-, Panik- oder Stresssituationen (wie Druckkammerbehandlung nach Tauchunfall) kann er auftreten. Ein Stimmritzenkrampf kann sich aber auch schon vor Eintreten der Bewußtlosigkeit lösen!!. (selbst erlebt)." Zitat: Als erste Notfallmaßnahme kann man durch die Anwendung des sog. Esmarch Handgriffs (vorschieben des Unterkiefers durch die Hilfsperson, während der Betroffene den Kopf in den Nacken beugt) versuchen den Stimmritzenkrampf zu durchbrechen. "Trockenübungen mit dem Buddy, absprechen eines Zeichens für den Stimmritzenkrampf können hilfreich sein.
Antwort von Flori am 22.10.2001 - 12:27 Hallo Leute,
ich habe gerade Eure Kommentare gelesen. Ich muss sagen, mich überkam echt ein kalter Schauer.
Ich selber hab zwar erst 23 TG hinter mir, aber gerade als "Anfänger" hat man in solchen Situationen keine Chance. Ich hätte in diesem Fall nicht die geringste Ahnung gehabt, was ich machen muss. RESPEKT JESSICA!!!
Ich habe eine SSI-Ausbildung genossen und kann mich nicht daran erinnern etwas über den "Stimmritzenkrampf" gehört zu haben.
Naja, jedenfalls weiß ich jetzt wie er entsthen kann und wie man in so einem Fall reagieren "sollte". Ich schreibe bewußt "sollte", da ich der Meinung bin in so einer Situation hängt das allermeist vom Glück ab. Erst nach dem Glück kommt der "Buddy"!!
Gute Besserung dem Verunglückten und kommt alle Gesund wieder hoch!!
Antwort von Frank am 19.12.2001 - 11:31 Immer wieder interessant zu lesen: Stimmritzenkrampf löst sich bei Bewußtlosigkeit!
Ich habe es leider selbst miterlebt das dies nicht der Fall ist.
Beim Training (!) in einem Tauchturm bekam ein Mittaucher in 1m Tiefe einen Black-Out nach einem Zeittauchversuch. Die Sicherung hat 100% funktioniert und innerhalb von Sekunden (!) war der Mann aus dem Wasser. ABER: trotz Bewußtlosigkeit total verkrampt: Beine, Arme, Kiefer: alles Stocksteif wie ein Brett. Den Stimmritzenkrampf lösten wir nach der Hau-Ruck-Methode: Handkanten-Schlag zwischen die Schulterblätter: Erfolg: Gelöster Krampf und 14 Tage Schmerzen beim Schlucken Also: Ich wünsche Euch allen, daß Ihr oder EUre Buddies nie eine Stimmritzenkrampf haben, wenn doch, verlaßt Euch nicht auf die Bewußtlosigkeit. Wir waren im Becken (ohen Anzug und Gerät) wie das wohl ausgeangen wäre, hätte man noch eine Ausrüstung ablegen müssen...
Antwort von Jessica am 19.12.2001 - 16:50 Ach ja.. für alle, die es interessiert... Seine Erinnerung beginnt scih doch noch zu regenerieren. Er erinnert sich immerhin schon daran, dass er mit mir tauchen war und daran, dass ich hinterher am Ufer an ihm "rumgemacht" hab. Fraglich, ob das "dazwischen" auch zurückkommt... Mal sehen...
Frohe Weihnachten ! Jessica
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