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Foren - Tauchunfälle - TU Attersee, 16.9.




  

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TU Attersee, 16.9.
Abgesandt von Redaktion (HM) Registriertes Mitglied am 16.09.2007 - 13:50:

Heute Vormittag kam es in Alexenau/Gemeinde Weyregg am Attersee zu einem Tauchunfall.

Die dreiköpfige Wiener Familie tauchte gemeinsam, als es in 35 Metern Tiefe zu einem Vereisen eines Atemreglers kam.

Die Familie unternam einen gemeinsamen Notaufstieg und konnte an der Wasseroberfläche noch um Hilfe rufen. Anwesende Taucher retteten sie ans Ufer.

Der Unfall dürfte glücklicherweise relativ glimpflich verlaufen sein. Der alarmierte Rettungshubschrauber wurde nicht benötigt. Nach der Erstversorgung durch den Notarzt wurde die Familie ins Krankenhaus gebracht.



Antwort von JDiver Registriertes Mitglied am 16.09.2007 - 17:44
Mhmm ich versteh das nicht ganz, hatten die keine alternative Luftversorgung?
Ich mein, wenn ein Atemregler vereist, dann kann man doch ganz normal zum ausstieg zurück tauchen mit einer alt. Luftversorgung.
Da würde sich sicher auch noch ein Dekostopp ausgehn, wenns nötig wäre.

Naja zuminderst ist nichts Ernstes passiert und das is ja das Wichtigste bei der ganzen Story
Antwort von Bert Rudeck Registriertes Mitglied am 16.09.2007 - 18:59
@JDiver
"Mhmm ich versteh das nicht ganz, hatten die keine alternative Luftversorgung?"

Da zeigt sich der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Jeder weiß, wie er sich im Fall eines Vereisers zu verhalten hat. Man muss dann nur, wenn der Fall der Fälle eintritt, die Nerven haben, auch so zu handeln. Grundlage hierfür ist, dass solche Situationen immer wieder geübt werden.

Gruß
Bert
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 16.09.2007 - 21:25
So, wir waren bei der Erstversorgung der 3 verunglückten Taucher beteiligt.
Der Unfall selber war eine Verkettung unglücklicher Umstände - im Endeffekt bei den beiden Erwachsenen das Abblassen der beteiligten Atemregler und sehr schneller (zu schneller ...) Notaufstieg ...
Der Minderjährige Sohn (17Jahre, MasterDiver) bremste den zu schnellen Aufstieg seiner Mutter und wurde dadurch sehr schnell mit nach oben gezogen. Dieser Junge Mann verdient allergrößten Respekt, da er perfekt reagierte und alles in seinen Möglichkeiten unternahm um die Sache nicht schlimmer enden zu lassen ... - das Verunglücken der eigenen Eltern unmittelbar mitzuerleben und schlimmeres zu vermeiden - Respekt !!!


ABER

Was das absolut unfassbare an diesem Vorfall war ...

Es wurde ein Rescuekurs an dem Unfallplatz durchgeführt (3 Gruppen a 3 Taucher) die - wie wunderbar - nicht Pizza oder sonstwas riefen sondern HILFE ...

Als dann die verunfallte Dreiergruppe in unmittelbarer Nähe an die Wasseroberfläche ploppte und der Junge Mann um Hilfe rief (Laut und deutlich) kam nur von uns entsprechende Hilfe - von anderen Stellen ertönten die Rufe "Laßt es gut sein, das ist nur eine Übung" ...

Liebe Tauchschüler und Tauchlehrer ...

Wenn Ihr allen Ernstes einmal das Vergnügen haben wollt und in einem Notfall keine Hilfe bekommen wollt - macht nur so weiter ...

Wie der Junge Mann sich gefühlt haben mag als er merkte, das die im Wasser befindlichen Taucher keinerlei Anstalten unternahmen und die anderen nur zuschauten - na Mahlzeit ...

Durch unseren anwesenden TL wurden alle Maßnahmen eingeleitet wie Rettung, Polizei, Druckkammer und Hubschrauber.
Ebenso wurden die mitgeführten Sauerstoffsysteme unseres anwesenden TL`s sofort zur Erstversorgung ver verunglückten Taucher verwendet.

Was die alarmierten Rettungshubschrauber betrifft (3 wurden angefordert und waren auch vor Ort) und was die Entscheidung des Notarztes betrifft, diese nicht zu verwenden sondern die 3 Taucher in das Krankenhaus zu verbringen ... - das ist eine andere Sache - Sinnvoll war diese Entscheidung sicherlich nicht - der Zustand der 3 hätte eine Druckkammer sicherlich gerechtfertigt.

Aber das ist Arztentscheidung - ich hoffe nur, das es den drei Verunfallten besser geht ...

Außer unserem TL, meiner Freundin und mir haben nur noch 2 anwesende Taucher beim aus dem Wasser ziehen und der anschließenden Erstversorgung bis die Sanitäter eintrafen an Land mitgeholfen, der Rest paddelte gemütlich an der Wasseroberfläche rum oder schaute Gelangweilt herüber ... ... ...

Die Ausrüstung machte einen manierlichen Eindruck (nicht genau angeschaut - waren anderweitig beschäftigt) und wurde durch die Polizei sichergestellt.
Antwort von leo Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 07:51
Hallo boesewicht

Zuerst einmal möchte ich den drei Taucher alles gute wünschen.
Das du bzw. deine ganze Truppe da mitgeholfen haben beweist das ihr sehr gut ausgebildet seit, über den rest der anwesenden Tauchergruppen möchte ich dahingehend kein weiteres wort verschwenden.
Was ich dir aber noch auf diesem Weg mitteilen möcht ist.
Die Notärzte in unserem Berich sind mit den Tauchunfällen nicht sehr vertraut. Bei unserer Suche nach dem tschechischen Taucher vor einer Woche hatten wir auch einen TU (Gleichgewichtsstörungen, rechte Schulter nicht mehr spürbar)der anwesende Notarzt hat auch keine Anzeichen gemacht unseren Kameraden in eine Druckkammer fliegen zu lassen. Es wurde sogar die Meinung eines anwesender Praktischer Arzt ( der beschäftigt sich sehr mit Tauchunfällen)nicht ernst genommen.
Unsere Einsatzleitung und Tauchkameraden haben dann mit großem Nachdruck die anwesende Notärztin überzeugen müssen (Wortlaut: Ich mache sie für diese Behanldung verantwortlich).
Also du siehst das es wichtig ist auch ein wenig Druck auszuüben. Gib nächstes mal mehr Druck.
Aber trotzdem ein großes Lob an eure Leistung bei der Erstversorgung.
Wir werden hier am Attersee über die zuständigen Stellen (Bezirkshauptmannschaft und Notarzt Verantwortlichen) in den nächsten Wochen Gespräche führen um solche Vorfälle vermeiden zu können.

Also alles Gute und GUT LUFT
Antwort von sttau Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 11:21
Auch wir waren bei der Erstversorgung dabei.
Hier zu o.g. Artikel eine kurze Klarstellung:

Natürlich ist es nicht zulässig, in einer Übung oder im Rahmen eines rescue Kurses HILFE zu rufen, weil das eben mit einem Ernstfall verwechselt werden kann. Selbstverständlich wird das auch in unseren Kursen so gebrieft!

Tatsächlich war es so, dass die verunglückten Taucher in unmittelbarer Nähe unseres Kurses auftauchetn und unsere Schüler die nächsten Helfer waren. 2 unserer Schüler haben die Taucher Richtung Ufer geschleppt und dabei schon Teile der Ausrüstung abgelegt. Natürlich haben sie laut und deutlich um Hilfe gerufen. Dass (und von wem) diese Hilferufe an Land als Übung interpretiert wurden kann ich nicht beurteilen.

Am Ufer angekommen war einer unserer Divemaster der erste, der einen Verunglückten Taucher an Land gebracht hat. Weil die meisten unserer Taucher zu diesem Zeitpunkt im Wasser waren hat dann die Gruppe meines Vor-schreibers die Patienten übernommen, die Rettung alarmiert und vorbildlich erste Hilfe geleistet.

Von meinem Beobachtungspunkt aus (ich war im Wasser an der Oberfläche) hat es sich nach der Verwirrung bezüglich Übung/Ernstfall als erfolgreiche Rettungskette dargestellt, bei der 2 Gruppen im Wasser und an Land bestmöglich gearbeitet haben. Sobald die Verunglückten Taucher an Land waren, konnte ich eine Vielzahl von Menschen erkennen, die sich um die Patienten kümmerten und sah keine Notwendigkeit auch noch einzugreifen.

Dazu noch 2 Anmerkungen:
1.) Ich kann ausschliessen, dass bei unserem Rescue Kurs VOR dem Unfall einer der Schüler das Wort HILFE gerufen hat, weil zu diesem Zeitpunkt andere Fertigkeiten geübt wurden. Lange nach dem Unfall (am Nachmittag) haben wir Rettungsszenarien geübt, bei welchen es dann tatsächlich passiert ist, dass fälschlich um Hilfe gerufen wurde, was aber im Debriefing klargestellt wurde. Schüler sind eben keine Profis. Sind wir froh, dass es Menschen gibt, die helfen lernen wollen!

2.) Aus verschiedenen Beobachtungspunkten ergeben sich verschiedene Wahrnehmungen von Vorfällen. Wenn man einen Vorfall vom Ufer aus beobachtet, kann man einen anderen Eindruck bekommen, als wenn man unmittelbar im Wasser dabei ist. Eine absolute Darstellung des tatsächlichen Geschehens ist schwer bis gar nicht möglich und sollte deswegen SEHR VORSICHTIG formuliert werden! Es sei denn, wir wollen einander vorwerfen, wie schlecht nicht die anderen sind und wie gut wir selber sind.

Ich denke, dass den Verunglückten sehr effektiv geholfen wurde, weil Taucher im Wasser und Helfer an Land sich ergänzt haben.
Antwort von Hammerhead2004 Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 13:04
@JDiver
Nach einem Vereiser wird der Tauchgang abgebrochen und der sicherste Weg nach oben gewählt und nicht der Tauchgang fortgesetzt "zur Einstiegsstelle.
Gut, daß es trotz der dummen Rescueübung so glimpflich abgegangen ist!
Antwort von Bert Rudeck Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 09:13
@boesewicht

Danke für die detailreiche und sachliche Schilderung.

"Der Unfall selber war eine Verkettung unglücklicher Umstände "

Das ist eigentlich immer so. Selten hat ein Unfall nur eine klar zu benennende Ursache.


"Es wurde ein Rescuekurs an dem Unfallplatz durchgeführt ... Als dann die verunfallte Dreiergruppe in unmittelbarer Nähe an die Wasseroberfläche ploppte und der Junge Mann um Hilfe rief ... ertönten die Rufe "Laßt es gut sein, das ist nur eine Übung" ... "

Hieraus muss man die Lehre ziehen, Übungen klar als solche kenntlich zu machen. Bei einer Übung sollte nie um Hilfe gerufen werden, sondern z.B. " Übung - Beginn der Rettung ". Dies ist eine Übungskünstlichkeit, die aber notwendig ist, damit die Signalwirkung des Rufes "Hilfe!" nicht nachlässt.

Gruß
Bert
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 18:38
@Bert Rudeck

we. Hilferuf sehe ich es genauso ... - dafür ist unter Tauchausbildung extra ein entspr. Thread von mir gestartet worden ...

Hier

Hier klicken

Aber das Entscheidende - gerade habe ich die Information erhalten, das die Familie heute das Krankenhaus verlassen konnte und nun wieder zu Hause ist.

Somit können alle Ereignisse des betr. Tages jedem eine Entscheidungshilfe für die Zukunft geben und das Geschehen hatte einen glücklichen Ausgang

Danke von der Familie an alle beteiligten Helfer
Antwort von MatV Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 19:02
@Bösewicht:
Welcher Unfall hat denn die Gruppe nun betroffen? Das sie die Aufstiegsgeschwindigkeiten nicht eingehalten haben, wissen wir ja nun, ebeno die Einfrierer.
Das sind aber zunächst physikalische Fakten, und keine Unfälle. Ein Unfall ist etwas, wovon theoretisch auch ein Pathologe was hätte.
Also was? DCS-Anzeichen? Kopf an Ceiling gestoßen? Welche Grundzeit lag vor? Wieviel Restluft?
Kannten die Leute das Procedere bei nicht eingehaltener Aufstiegsgescheindigkeit? ( innerhalb 3 Min auf halbe Tiefe, dort 5 min Stop, und mit Gesamtzeit und Gesamttiefe austauchen.)

Grüße,
Matthias
Antwort von Doppeldreier Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 16:46
@sttau
sicher sind Tauchschüler keine Profis. Ich bin aber der Meinung das bei jeder übenden Gruppe mindestens ein Tauchlehrer dabei sein sollte und das dieser sofort und energisch jeden Hilferuf abwürgt. So sieht es jetzt aber aus als würde eine Tauchschule ihrer Schüler alleine üben lassen oder Tauchlehrer (oder besser OWSI) beschäftigt die nicht durchgreifen können oder solche Fehler erst gar nicht bemerken.

Gruß,
D3
Antwort von Harry Redaktionsmitglied am 17.09.2007 - 20:01
Bitte über die Unsinnigkeit von "Hilfe"- Rufen bei RettungsÜBUNGEN im Thread im Ausbildungsforum
Hier klicken
weiterdiskutieren!

Weitere Postings die sich diesbezüglich- und nicht auf den Unfall selbst beziehen, werden gelöscht.

DANKE!


Harry
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 17.09.2007 - 23:32
@MatV

Abblasende/Vereisende Automaten mit im Endeffekt komplettem Pressluftverlust bei den Erwachsenen, schnelle Notaufstiege und beim Vater (lt. seiner Erzählung vor Ort) sein Aufstieg aus Tiefe ohne Atemluft.
An Land - Übelkeit, Unwohlsein, glasiger Blick und natürlich totale Erschöpfung sowie Schockzustand sowie Sorge um die jeweiligen anderen Familienmitglieder.
Mit weniger Glück hätte hier ein Pathologe schnell etwas zu tun gehabt.
Grundzeit unbekannt - Computer wurden von den Behörden eingesammelt.
Tiefe 35mtr +-, Sicht (haben wir ja selber auch feststellen können) sehr trüb.

Es war ein klassischer Tauchunfall mit einer Ansammlung von vielen Problemen aufeinander aber zum Glück mit (im Endeffekt) gutem Ausgang.

Ich habe vor längerem einmal mit einem Tauchkumpel ausprobiert, wie schnell sich eine Pressluftflasche in der Tiefe entleert wenn ein Vereiser eintreten sollte - das ging verdammt schnell ...
Wenn dies nun bei 2 vorhandenen Flaschen passiert, dann sind die Möglichkeiten nicht mehr so berauschend.
Das jedes Atemreglersystem bei Doppelbelastung, Streß und Kälte irgendwann die Last nicht mehr tragen kann und versagt ist auch hinreichend bekannt.
Antwort von Aquanaut Registriertes Mitglied am 18.09.2007 - 08:00
Ich würde mich freuen, wenn die drei Personen, die den Unfall miterlebt haben einen genauen Bericht ins Netz stellen, nur dadurch könnten andere Taucher profitieren.
Durch solche Beispiele sehen vieleicht andere Taucher, daß Theorie und Praxis anders ist und könnten durch diesen Wissensvorsprung eventuell den einen oder anderen Tauchunfall vermeiden.
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 18.09.2007 - 13:24
@Aquanaut

Solche Berichte werden zu gegebener Zeit von den Verunglückten erfolgen ...
Antwort von AlexanderW Registriertes Mitglied am 19.09.2007 - 08:05
@ Hammerhead2004
Wie kann man eine Rescueübung als dumm bezeichnen?
Auch ich war vor Ort und ja ich war einer, der dort "in der Gegend herumgepaddelt" ist.
Hier meine Sicht der Dinge: Wir waren zum Zeitpunkt des Auftauchens ca. 50 m entfernt und wollten gerade abtuachen als wir Hilferufe vernamen. Zunächst gingen wir fälschlicherweise davon aus, dass diese tatsächlich von der Rescueübung stammen könnten und kritisierten, dass man eben nicht unbegründet um Hilfe schreit. Rasch merkten wir jedoch, dass es Ernst war, sahen aber auch zugeleich, dass sich die Teilnehmer der Rescueübung sich schon um die Verletzten kümmerten. Mit dabei waren auch schon fertig ausgebildete Rescue Diver.

Nun meine Frage: Wieviele Leute hätten sich noch um die Verletzten kümmern sollen? 10, 20, 30 oder sind erst 100 Helfer genug?

Gerne würde ich von den Verunglückten eine Stellungsnahme erfahren, ob sie sich ausreichend versorgt gefühlt haben und wieviel Zeit ihrer Meinung vergangen ist, zwischen dem ersten Hilfe Ruf und dem bereits am Land liegen.

Antwort von bestof34 Registriertes Mitglied am 22.09.2007 - 17:15
Im Folgenden der Bericht von der betroffenen Familie:

Attersee 16.9.2007 aus Sicht von Mutter:

Wir machten einen Tagesausflug zum Attersee ohne besonderen Stress oder Druck. Das Anziehen und Zusammenbauen verlief ganz normal und ruhig und auch der Tauchgang begann ruhig und stressfrei.

Wir tauchten auf 35 m ab und begannen nach kurzer Verständigung mit dem Aufstieg. Auf ca. 30 m begann mein Regler abzublasen und ich nahm den Reserveregler. Was nicht wirklich viel brachte, denn gleich darauf begann auch dieser abzublasen und als ich auf mein Finnemeter sah, war ich im roten Bereich.
Mein Mann hatte bereits bemerkt, dass ich Probleme hatte und gab mir seinen zweiten Regler mit dem wir dann bis auf ca. 20 m aufstiegen, bis auch dieser abzublasen begann, was sicher auf mein heftiges Atmen zurückzuführen war.
Die Panik wurde bei mir sicher dadurch hervorgerufen, dass wir uns bei Beginn meiner Probleme doch noch in relativ großer Tiefe befanden und ich natürlich wusste, dass der Aufstieg nicht zu schnell erfolgen durfte.

Mittlerweile hatte unser Sohn gesehen, dass wir rasch aufstiegen und kam uns zu Hilfe. Er gab mir seinen zweiten Regler, der auf einem eigenen Abgang montiert ist und wir stiegen gemeinsam auf. Sicher zu schnell, da bei mir die Panik mittlerweile groß war, aber doch langsam genug um gesund die Oberfläche zu erreichen.
Mein Mann war in der Zwischenzeit alleine aufgestiegen, da sein Luftvorrat bei Null war.

An der Wasseroberfläche riefen mein Mann und mein Sohn um Hilfe, die uns dann auch von im Wasser und an Land anwesenden Tauchern geleistet wurde. Ein Tauchlehrer kümmerte sich besonders um uns und rief auch die Rettung. Wir hatten von den Problemen beim Tauchgang keine gesundheitlichen Schäden davongetragen, der Schock saß uns jedoch ordentlich in den Knochen. Wir wurden ins Krankenhaus Vöcklabruck gebracht, wo wir bestens versorgt und betreut wurden.
Ich möchte noch ausdrücklich erwähnen, dass ich nicht der Ansicht bin, dass wir alleine mit unserem Problem gewesen wären, sondern wirklich ausreichend Hilfe erhalten haben.



Attersee 16.9.2007 aus Sicht von Robert (Sohn):

Für mich war es von Beginn an ein ganz normaler Tauchgang ohne besondere Stressfaktoren. Ich habe diesen Tauchgang geführt und bei 35 m machten wir kehrt.
In ca. 28 m bemerkte ich, dass meine Eltern Probleme hatten und tauchte zu ihnen auf ca. 24 m auf. Wir tauchten dann noch ein Stück zu dritt wobei meine Mutter den zweiten Regler meines Vaters benützte. Als dann auch dieser abblies, gab ich ihr meinen zweiten Regler und stieg so langsam wie möglich auf. Mein Vater machte ohne Luft einen Notaufstieg.

An der Wasseroberfläche brachte ich meine Mutter dann in die Rückenlage und zog sie ans Ufer. Um Hilfe rief ich, weil ich doch nicht genau wusste ob sie irgendwelche Verletzungen durch den Aufstieg davongetragen hatte.

Die Hilfeleistung durch die anderen Taucher war zwar durch einige Verwirrung etwas verzögert, aber dann ganz hervorragend.


Attersee 16.9.2007 aus Sicht von Herbert (Vater):


Auch für mich war es von Anfang an ein ganz normaler Tauchgang wie wir sie schon oft gemeinsam gemacht hatten unter anderem auch am Attersee. Wie es üblich ist fragten wir gegenseitig immer wieder ab ob alles o.k. sei. Nach Erreichen der bereits an Land vereinbarten Tiefe von 35 m haben wir den Aufstieg begonnen. Nachdem meine Frau in ca. 30 m Probleme mit ihrem Regler bekam, gab ich ihr meinen zweiten Regler und wir begannen natürlich sofort mit dem Aufstieg zur Oberfläche.
Wir tauchten einige Meter den Hang hinauf bis durch das mittlerweile panische Atmen meiner Frau auch mein zweiter Regler vereiste. In der Zwischenzeit war unser Sohn zu uns gekommen und gab meiner Frau seinen zweiten Regler. Als ich sah dass mein Luftvorrat bei Null war und um meine Familie nicht weiter in Gefahr zu bringen machten ich alleine einen Notaufstieg aus ca. 18 m nur mit Flossenschlag.
Durch die kurze Tauchzeit, der Tauchgang dauerte insgesamt 11 Minuten, waren wir noch in der Nullzeit. Die Aufstiege waren sicher zu schnell, aber glücklicherweise nicht so schnell, dass uns etwas passiert wäre. Allerdings war der Schock bei mir sehr groß, der sich durch den Großeinsatz der Rettungskräfte noch etwas verstärkt hat (Rettungshubschrauber etc.).

Die Hilfeleistung war nach anfänglicher Verzögerung ganz toll. Es waren auch durchaus genügend Helfer bei uns, denn „zu viele Köche verderben den Brei“. Die, auch im Internet als so einfach beschriebene, alternative Luftversorgung spielt sich leider in einem Notfall nicht ganz so ruhig und leicht wie z.B. bei einer Prüfung ab. Panik kann man eben nicht üben oder erlernen……


Anm.: Die Namen wurden durch „Vater-Mutter-Sohn“ ersetzt; weitere Stellungnahmen wird es von den betroffenen nicht geben.
Der Bericht soll als Information dienen.

Tauchausbildung:

Vater: taucht seit 1992; CMAS 2**; 287 Tauchgänge davon ca. 250 im Süßwasser

Sohn: taucht seit 2001; SSI Masterdiver; 130 Tauchgänge, davon 110 im Süßwasser

Mutter: taucht seit 2006, CMAS Brevet 1*; SSI Advanced; 40 Tauchgänge alle im Süßwasser

Ausrüstung:

Alle drei Taucher waren mit Nassanzügen im Wasser

Vater: 10 l Pressluftflasche mit einer ersten Stufe

Sohn: 10 l Pressluftflasche mit zwei ersten Stufen

Mutter: 12 l Pressluftflasche mit einer ersten Stufe

Mittlerweile wurde der Regler von Mutter durch einen besseren ersetzt und die Flaschen von Vater und Mutter mit zwei Abgängen versehen.


Anmerkung der Ersthelfer:

2 spätere Ersthelfer bemerkten in einer Entfernung von ca. 25-30 m vom Ufer eine Anhäufung kleiner Blasen, welche den Wellengang des Sees über eine größere runde Fläche in eine wellenlose verwandelten, ca. 2 min vor dem Auftauchen der Familie. Beide vermuteten einen „Abblaser“ und behielten die Position im Auge bis sich die Oberfläche „normalisierte“. Wenig später kamen 3 Taucher zu schnell an die Oberfläche. Ein Hilferuf der Verunfallten Taucher wurde wahrgenommen und sofort wurde ein Handy vom Auto geholt um einen Notruf abzusetzen. Dieser wurde aufgrund eines Zwischenrufes „Es handle sich nur um eine Übung“ wieder abgebrochen. Als die Verunfallten das Ufer erreichten wurde nachgefragt ob es sich um eine Übung handle oder nicht. „Nein das ist keine Übung“. Die Erstinformation war, dass es sich um einen Notaufstieg aus 35 m und um eine ohne - Luft – Situation des Vaters ab 25 m handelt.
Der Notruf wurde abgesetzt inkl. der Anforderung an Hubschrauber und Dekokammer. Zuerst wurde die Mutter mit med. Sauerstoff versorgt, dann der Vater und anschließend noch der Sohn. Die Mutter klagte über Brustschmerzen, der Vater über Übelkeit (er konnte keinen Schluck Wasser nehmen, da er sich nach eigenen Angaben dann Übergeben müsse). Der Sohn machte einen sehr guten Eindruck. Die Mutter bekam später eine Infusion. Beim Vater konnte dies nicht erfolgen, da auch nach mehreren Versuchen keine Vene getroffen wurde (gefunden wurde). Der erste Rettungswagen traf nach ca. 20 min ein. Die Familie wurde nach ca. 60 bis 75 min abtransportiert. Der Zustand der Mutter verbesserte sich in dieser Zeit zunehmend, der des Sohnes verschlechterte sich kaum und blieb gut. Der Zustand des Vaters machte einen etwas unstabileren Eindruck.

An Sauerstoff (und Nitrox) wurden in dieser Zeit von den 3 Tauchern geatmet:
Aus der 7 lit 100% O2 …120 bar
Aus der 7 lit Nitrox 50 … 120 bar
Aus der 3 lit 100% O2 … 100 bar
Aus der 5 lit 100% O2 …. Ca. 100 bis 150 bar
Eine gesamte Flasche des ersten Krankenwagens (100% O2).


Allen Ersthelfern für ihre Unterstützung herzlichen Dank!

bestof34
Antwort von Harry Redaktionsmitglied am 22.09.2007 - 17:44
Ich möchte mich bei Euch ganz herzlich für dieses ausführliche Statement bedanken!

Eins muss ich aber loswerden: Heutzutage mit nur einer ersten Stufe in den den Attersee zu gehen ist leichtfertig. Mit nur einer ersten Stufe tief zu tauchen, ist das Schicksal herauszufordern!

Ihr habt daraus gelernt.

Ich hoffe, jeder Atterseetaucher (oder allgemein taucher in unseren Alpenseen) mit nur einem Abgang/einer ersten Stufe, der dies hier liest, ebenso.
Nur mit zwei getrennten und absperrbaren ersten Stufen bleiben Vereiser ein ärgerlicher Zwischenfall, der beherrschbar bleibt!


Harry
Antwort von MatV Registriertes Mitglied am 22.09.2007 - 14:33
@Bösewicht: Die Entscheidung des Notarztes, nicht den Heli zu nehmen, ist nachvollziehbar. Ob sinnvoll, dafür wäre ein Dopplertest hilfreich gewesen.
Lt. deinen Angaben kann man nicht unbedingt von einer DCS-Symptomatik ausgehen, sondern von einem Zustand hervorgerufen durch physische und psychische Belastung.
Der NA wird sicherlich einen Neurochck gemacht haben.

Betr. "glasiger Blick".. Vorsicht, wer sagt, das die Leute nicht immer so gucken....

Gruß,
Matthias
Antwort von Doppeldreier Registriertes Mitglied am 23.09.2007 - 15:19
für weitere Tauchgänge wäre es sicher auch für die Mutter zu überdenken ob sie für tiefe Tauchgänge seelisch Stabil genug ist. Wer von der eigenen Familie unterwasser geholfen bekommt und diese auch auch noch gut reagiert dann sollte es nicht vorkommen dass man sich gar nicht mehr beruhigt. Was wäre geschehen wenn die Tauchpartner nicht so gut bekannt gewesen wären?
Eine gute Ausrüstung ist nicht nur sicherer, sie gibt einen auch ein sicheres Gefühl, so das Stress erst später entsteht.

Gruß,
D3
Antwort von musher Registriertes Mitglied am 23.09.2007 - 17:30
Erstmals Danke an die Familie für diese Berichte.
Zum Glück geht es ihnen wieder besser.

Finde aber, daß sich der Sohn Robert nicht rechtfertigen muß, daß er um hilfe rief, sondern meine, daß dies in diesem Fall schon richtig war.

Und zu der Problematik nur ein Abgang/eine erste stufe - wäre es allgemein gut, in den Ausbildungen schon viel mehr Wert auf Aufklärung zu geben, daß es sinnvoller ist, mit 2getrennten Abgängen/ersten stufen in einheimischen (tiefern Gewässern) zu tauchen.

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