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Dies ist das internationale Unfallboard von Taucher.Net. Falls ein dir bekannter Unfall hier noch nicht aufgeführt ist, schickt uns am einfachsten eine Mail.
TU Gran Canaria II Abgesandt von Armin am 03.01.2004 - 21:57:
Diese Info ist ebenfalls von Christof - Danke!
Weiterer Tauchunfall auf den Kanaren
Am 26.12.2003 kam es in Arinaga (Gran Canaria) noch zu einem zweiten Tauchunfall.
Diese Beschreibung gibt meine persönliche Wahrnehmung dieses TUs wieder und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.
Eine kleine Gruppe Taucher schwamm an der Oberfläche links (nördlich) des Einstieges im Wasser und schleppte einen Taucher Richtung Land. Die Retter gaben Notzeichen, worauf Andy und Mathias ihnen sofort zur Hilfe kamen. Da genügend Helfer bei dem Verunfallten waren, bin ich erst etwas später (mit DTG) hinterhergekommen, als ich gesehen habe, dass hinter der Gruppe noch zwei Taucher waren, die abgeworfenes Equipment transportierten.
Als ich aus dem Wasser kam, war der Verunglückte bereits an Land und wurde von einer zufällig anwesenden tauchenden Ärztin versorgt. Der Mann war korpulent (sicherlich über 100 kg) und ungefähr Mitte fünfzig. Sein Gesicht war blau angelaufen und blutiger Schaum kam aus seinem Mund.
Da sich unmittelbar zuvor ein anderer TU zugetragen hatte, kam bereits nach sehr kurzer Zeit ein Rettungswagen mit zusätzlichem Equipment. Der Verunfallte wurde intubiert. Sein Nasstauchanzug wurde aufgeschnitten und ich organisierte ein paar Handtücher von uns und anderen anwesenden Tauchern. Außerdem erhielt der Patient (vermutlich) schmerzstillende Injektionen.
Einige Zeit (vielleicht 10-15 Minuten) später trafen kurz hintereinander die Polizei und der zweite Rettungswagen ein. Nachdem sich die zweite Rettungsbesatzung ein erstes Bild verschafft hat, brachten sie eine Trage zu der Stelle, wo der Verunfallte noch weiter behandelt wurde. Schließlich wurde er auf die Trage gehievt und zum Krankenwagen hoch gebracht, wo er offensichtlich noch weiter stabilisiert wurde. Etwas (ca. 10 Minuten) später fuhr der Krankenwagen dann mit seinem Patient ab. In der Zwischenzeit nahm der Polizist ein Unfallprotokoll auf.
Zwei Tage später haben wir erfahren, dass der Mann leider verstorben ist. An dieser Stelle unser tief empfundenes Beileid und Mitgefühl an die Angehörigen. Auch wenn wir den Taucher-Kollegen nicht kannten, hat uns dieses Ereignis tief getroffen.
- - -
Später erfuhr ich, dass dem Verunfallten beim Abschleppen das Equipment (DTG, Blei) zunächst nicht abgenommen wurde. Hierfür haben erst Andy und Matthias gesorgt.
Der Erzählung nach wollte einer der Taucher (ob es sich dabei um den Guide der Gruppe handelte, ist nicht bekannt) eine Herzmassage vornehmen, wovon er durch Andy und Mathias abgehalten wurde. Zudem war der Taucher zu diesem Zeitpunkt auch noch nicht mal vollständig aus dem Wasser gezogen.
Wir waren eine gute Stunde vor diesem Unfall im Wasser. Es herrschte mittel-starke Strömung in nördliche Richtung. Wenige Minuten nach der Bergung tauchte der Rest der Gruppe an der Einstiegstelle auf. Aufgrund des Auftauchens des Verunglückten nördlich des Einstieges liegt die Vermutung nahe, dass der Tauchgang mit der Strömung begonnen wurde und somit unmittelbar vor seiner Beendung stand.
Über den genauen Unfallhergang habe ich mich nicht ausdrücklich mit anderen unterhalten, da meine Partnerin und ich von den Geschehnissen ziemlich geschockt waren. Soweit ich es mitbekommen habe, soll es durch Überanstrengung (Essoufflement) zu dem Unfall gekommen und der Taucher in Panik hochgeschossen sein.
Ich bin kein Mediziner und kann folgendes von daher keinesfalls beurteilen. Außerdem war eine Ärztin vor Ort, die dies sicherlich professionell und nach bestem Wissen und Gewissen entschieden hat. Dennoch; dass der Patient einen schweren Lungenriss hatte, konnte ich beim ersten flüchtigen Blick auch als Laie sofort erkennen. Wäre es da nicht angebracht gewesen, sofort einen Rettungshubschrauber anzufordern? Und muss ein Patient mit einem derart schweren Pneumothorax nicht auch unmittelbar in einen speziell hierfür ausgerüsteten OP (Sauerbruchkammer) verbracht und operiert werden?
Antwort von tomzwo am 05.01.2004 - 09:23 was ist eine "Sauerbruchkammer"?
hat jemand generelle Informationen oder Links zur Behandlung von Lungenüberdruckverletzungen?
Hat der erwähnte Taucher Sauerstoff bekommen? (aus dem anderen Bericht ging hervor, dass die O2-Ausstattung etwas knapp war)
Ist die Lunge überhaupt schmerzempfindlich? (evtl. kann jemand mit medizinischen Kenntnissen was zu den möglichen Injektionen sagen?)
Ich habe die Anmerkung zur Strömung nicht verstanden: waren die Taucher auf einem 1-Weg-Strömungstauchgang ("mit der Strömung") oder wollten sie am Ende wieder gegen die Strömung zurück?
Es ist immer traurig und schockierend, wenn jemand bei der Ausübung unseres Hobbys ums Leben kommt. Vielleicht können wir aus den Ereignissen lernen. Besonders die Behandlungsdetails können wichtig sein: gerade bei uns in Deutschland kann es mE leicht mal vorkommen, dass eine Rettungswagenmannschaft kommt, die mit Tauchunfällen nicht sehr erfahren ist (ich denke da an den Baggersee, weniger an typische Tauchgebiete).
Antwort von und 26 Gäste am 05.01.2004 - 10:58 was ist eine "Sauerbruchkammer"?
eine Art Unterdruckkammer, die den Brustkorbbereich des Pneumothoraxpatienten umgiebt und die Lungenfunktion sicherstellt. (Bei einer Verletzung des Brustbereiches von aussen) - wusste gar nicht, daß man sowas heute noch verwendet.
Antwort von Christof am 05.01.2004 - 11:14 @was ist eine "Sauerbruchkammer"?
Bei der Öffnung des Brustkorbes würde es zu einem Kollaps der Lunge kommen. Um dies zu verhindern gibt es wohl zwei Methoden (entweder von außen einen Unterdruck erzeugen --> Sauerbruchkammer; oder die Lunge von innen "aufblasen" --> intubieren). Da ich kein Mediziner bin, weiß ich nicht, [wann] welche Methode üblicherweise verwendet wird.
@...oder wollten sie am Ende wieder gegen die Strömung zurück?
Letzteres, d.h. die Gruppe hat ihren TG offensichtlich mit der Strömung begonnen und ist dann gegen die Strömung zurück getaucht.
@Hat der erwähnte Taucher Sauerstoff bekommen?
Falls ja, dann allerdings nur sehr kurz (vom Beginn der Erstversorgung bis zum Eintreffen der ersten Rettungsmannschaft) Aber das kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen.
Antwort von tomzwo am 05.01.2004 - 11:25 Danke für die Infos. Ich muss aber nochmal nachbohren:
- beide Methoden (Sauerbruchkammer / Intubieren) erzeugen einen relativen Überdurck in der Lunge. Während intubieren bereits im Rettungswagen gemacht werden kann (und mW auch oft wird), verursacht die Kammer wohl erheblichen Aufwand mit der damit verbundenen verstreichenden Zeit (dies nur am Rande). Ist der relative Überdruck nicht eine potentielle Embolie-Ursache?
- nochmal zur Behandlung: man lernt ja als normaler Taucher/Ersthelfer, dass bei _allen_ DCS (nicht DCI) Unfällen erstmal per Demand Sauerstoff gegeben wird (also ohne Überduck). Gerade bei der durch die Lungenstörung (Riss, Blut in den Lungeblässchen) reduzierten Sauerstoffaufnahme ist das wohl absolut notwendig zur Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen (Sauerstoff-Unterversorgung!). Gleichzeitig dürfte ja der Körper CO2 aufbauen (auch durch den verringerten Gasaustausch), was den Atemreflex erhöht. Lange Vorrede für die eigentliche Frage: wie verhalten sich die normalerweise zur "Stabilisierung" verabreichten Injektionen (was immer an Substanzen da verabreicht wird)? Beeinflussen diese neben dem Blutdruck und der Herztätigkeit auch die Atmung?
Der Überdruck bei offenen Toraxverletzungen ist notwendig, um das Zusammenfallen der Lunge zu verhindern. Ob das eine Embolie fördert weiß ich nicht, aber wenn Du erstickst, kann Dir ene Embolie auch nicht mehr schaden......
Antwort von Ben am 06.01.2004 - 11:13 Kommentar zu TU Gran Canaria I+II
Will sich da etwa einer wichtig tun aus Kosten anderer???
Antwort von Madeleine am 06.01.2004 - 15:09 Hallo Christof und liebe Leser!
Möchte gerne eine kleine Richtigstellung vornehmen. Nicht in Bezug auf das Geschehene - sprich den Tauchunfall (da ich an besagtem Tage zwar in Arinaga tauchen war, aber an einem anderem Einstieg) sondern auf Deine Kommentare!
Es ist nicht alles ganz richtig, was Du schilderst, mit Verlaub möchte ich darauf hinweisen, dass unsere Tauchschule : SUN SUB hier auf Gran Canaria "IMMER" einen Notfallkoffer mit sich führt. Übrigens ist nicht 100%ig sicher, ob der Taucher tot ist!
Trotz allem, wünsche ich immer "gut Luft"
Ganz liebe sonnige Flossenschläge
Madeleine
Antwort von Christof am 06.01.2004 - 22:12 Hallo Madeleine
Es ist schön zu hören, dass SUN SUB offensichtlich auch zu den (scheinbar wenigen) sicherheitsbewussten Basen vor Ort gehört. Wie Du selber schreibst, wart Ihr zur Unfallzeit nicht an der beschriebenen Einstiegstelle. Insofern hat sich meine Kritik selbstverständlich nicht gegen Eure Basis gerichtet. Dennoch finde ich es gut, dass Du dies zur Vermeidung von Missverständnissen noch einmal explizit klar gestellt hast.
@Übrigens ist nicht 100%ig sicher, ob der Taucher tot ist!
Das würde ich sehr gerne glauben können, wobei ich leider eine anderslautende Information von Andy erhalten habe, und die erschien mir keinesfalls unglaubwürdig oder dahergeschwafelt. Lass es uns bitte dennoch wissen, wenn diese Info, was wir uns sicher alle wünschen, falsch gewesen sein sollte.
Danke und Allzeit Gut Luft,
Christof
Antwort von staggo am 12.01.2004 - 19:05 seit der Erfindung der Überdruckbeatmung ist der Sauerbruchsche Op nicht mehr nötig.
Antwort von Andy Sprotte am 14.01.2004 - 01:48 Sehr geehrte Tauchsportfreunde,
nun muß ich mich doch an der Diskussion beteiligen, da nämlich einige Dinge und zwar äußerst wichtige, gar nicht angesprochen worden sind.
An diesem Tauchtag befanden sich vier kommerziell arbeitende Tauchschulen an dem besagten Einstieg in Arinaga auf Gran Canaria, ebenfalls noch sehr viele einheimische Taucher. Die Unfallursache würde in den spekulativen Bereich fallen; also Finger weg davon. Mutmasungen darf man anstellen aber sonst nichts. Die Bergung ging von statten wie von Armin aufgezeichnet. Das mit der ²Sauerkrautkammer², man kann sich ja mal vertun!
Der dicke Hammer kommt aber nun! Sowohl die Tauchschule SunSub wie auch die meinige, die Tauchschule Nautico führen stets einen bereiten Notfallkoffer, natürlich mit Sauerstoff und allem was so dazu gehört mit. Es war für uns das selbstvertändlichste der Welt das wir bei einem Tauchunfall diesen sofort zur Verfügung stellen und das auch getan haben. Nur bei der Tauchschule von dem der Gast war, hatte keiner einen solchen dabei. Vielleicht hat sich die Tauchschule Blue Explorer gedacht; na ja, die anderen haben ja! Es kommt noch dicker! Es hat mich drei Besuche in der Tauchbasis Blue Explorer und ungefähr 8 telefonate gekostet um unseren Notfallkoffer nach sage und schreibe 10 Tagen wieder Einsatzfähig zurück zu erhalten. Sauerei, da kocht man doch, oder? Nichts destotrotz würden wir sofort wieder so handeln, in der Hoffnung das sich alle Tauchbasen sich an normale Standards halten.
Leider ist es so, dass dieser Tauchsportfreund Aufgrund seiner schweren Verletzungen verstorben ist. An dieser Stelle möchte das Team der Tauchschule Nautico allen Angehörigen unser tiefstes Mitgefühl ausdrücken.
Aber ihr lieben Sporttaucher könnt mithelfen solche Misstände zu beseitigen, indem Ihr einfach nur bei den Tauchbasen taucht, die Wert auf solche Sicherheits-Standards legen.
Mit einem freundlichen Flossenschlag und gut Luft,
Andy Sprotte
PS: selbstverständlich haben wir in diesen 10 Tagen unseren Ersatznotfall-Koffer mitgeführt.
Antwort von Doktorfisch am 21.01.2004 - 12:19 Hallo Armin,
ohne mich hier aus dem Fenster lehnen zu wollen (Notarzt/ Tauchmedizin), möchte ich hier etwaigen Spekulationen entgegentreten und einige klärende Anmerkungen tätigen:
"Dennoch; dass der Patient einen schweren Lungenriss hatte, konnte ich beim ersten flüchtigen Blick auch als Laie sofort erkennen."
Zwar liegt der Verdacht auf eine mögliche Überdruckschädigung der Lunge (Barotrauma-Lungenriß-mit möglichem Kollaps=Pneumothorax)nahe, eine Blickdiagnose ist hier allerdings weder für den Laien, noch für den Arzt möglich.
Die gleiche Symptomatik kann z.B. bei einer Lungenarterienembolie oder einem Herzversagen mit Lungenödem auftreten. Eine Unterscheidung ob ein Lungenriss aufgetreten ist, kann bei der Untersuchung durch Abhorchen (vermindertes Atemgeräusch) und Abklopfen (vermehrter Klopfschall) erfolgen. Den Beweis liefert allerdings erst die Probepunktion (Anlage einer Drainage zur Entlastung) bzw. letztendlich das Röntgenbild in der Klinik.
Unabhängig davon, welche Ursache die Atemstörung war, ist die sofortige Sauerstoffversorgung entscheidend für die weitere Prognose.
Sofern ein Herz-Kreislauf-Stillstand (keine Atmungsaktivität, kein tastbarer Puls) vorliegt, hat auch eine Herzdruckmassage und Beatmung zu erfolgen, denn was nützt es dem Körper, wenn man den Lungen Sauerstoff zuführt, dieser aber aufgrund Herzstillstands nicht zu den Geweben gelangt?
"Wäre es da nicht angebracht gewesen, sofort einen Rettungshubschrauber anzufordern?"
Sicherlich ist der Rettungshubschrauber das schnellste Transportmittel - leider hat nicht jedes Land eine flächendeckende Luftrettungssystem.
"Und muss ein Patient mit einem derart schweren Pneumothorax nicht auch unmittelbar in einen speziell hierfür ausgerüsteten OP (Sauerbruchkammer) verbracht und operiert werden?"
Dazu ist ja bereits einiges gesagt worden. Daher nochmals in Kürze: Die "Sauerbruchkammer" ist heutzutage obsolet. Ein Pneumothorax muss möglichst sofort mittels Drainage entlastet werden.
Ich hoffe, mit diesen Informationen etwas Klärung geschaftt zu haben und wünsche immer gut Luft...
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