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TU Hemmoor 6.7. ?
Abgesandt von Armin Registriertes Mitglied am 09.07.2004 - 23:06:

Danke an Chris für die Info:

Moin Moin,

ich gehe davon aus, dass in Hemmoor gestern ein Tauchunfall passierte. Zumindest landete der Rettungshubschrauber und jemand wurde mittels einer Plane getragen. Mehr konnte ich nicht sehen - und "helfende Zuschauer" gab es bereits genug.

Würde mich trotzdem mal interessieren, was es war und vor allem, warum es war.

Aus euren Unfallbeschreibungen und den Diskussionsbeiträgen kann man sehr viel lernen. Ich hoffe ausreichend, um selbst nicht Gegenstand eines Berichts zu werden.

Gruß
Chris



Antwort von Haleh Registriertes Mitglied am 19.07.2004 - 09:44
Als Beteiligter kann ich sagen, dass es ein Tauchunfall war. Weitere Ausführungen dazu möchte ich aber erst Ende Juli / Anfang August abgeben.

Gruss Hajo
Antwort von Herbert Redaktionsmitglied am 05.08.2004 - 14:51
Danke an Hajo für die ausführliche Information:

Nachtrag zu TU Hemmoor 6.7. - von Hajo!

Die Fakten:
- alle beteiligten Taucher sind tiefenerfahren, aber nicht tiefengeil
- Tauchgang am Rüttler auf 42,8 m Maximaltiefe (darf ja auch mal sein)
- durch den stufenweisen Abfall wurde die Tiefe erst nach ca. 10 min erreicht
- (zu) langsamer Aufstieg immer der Strasse entlang in Richtung Tauchplatz Nr. 1
= Entlangschrammen an der Nullzeitgrenze
- 3 min Sicherheitsstop in 20 m Tiefe
hier war die Computer-Nullzeit inzwischen wieder auf ca. 10 min gestiegen
für ca. 10 sec kurzzeitige Anzeige beim Vyper = Dekotauchgang, danach wieder Nullzeit
- weiter Aufstieg bis in den Bereich 6-8 m
die Computeranzeigen waren wieder "clean"
- 15 min Herumgondeln in dieser Tiefe
- weiter Aufstieg bis 3 m
- 5 min Sicherheitsstop
- Beendigung des Tauchganges

Antworten auf eventuell auftauchende Fragen:
! zu keiner Zeit war die Aufstiegsgeschwindigkeit zu schnell, eher zu langsam, so dass vermehrt N2 aufgenommen wurde
! es handelte sich nicht um Geschehnisse mit Notaufstieg oder abblasenden Atemreglern, sondern um einen gemütlichen Gondel-Tauchgang
! anscheinend sind wir hier an die Grenzen des Rechenmodells der Computer gestossen
! die wechselnde Anzeige des Tauchcomputers "keine Deko - Deko - keine Deko", ein guter Hinweis auf einen Dekotauchgang, obwohl dies nicht angezeigt wurde

Die Folgeerscheinungen:
Wie so oft bei Tauchunfällen spielten nun wahrscheinlich mehrere Faktoren mit, die zum nachfolgenden DCS II führten (Dehydration, niedriger Blutdruck, Tiefe, Kälte...).
Ca. 5 min nach Beendigung des Tauchganges brach einer der Taucher aus der Gruppe plötzlich zusammen, erbrach sich und wurde fast bewusstlos (= nicht mehr ansprechbar).

Die Rettung:
- ein vorbeigehender Taucher brachte sofort Sauerstoff und löste Alarm aus
- der Rettungswagen war nach 2 min zur Stelle, er war zufälligerweise in der Nähe gewesen
- ebenfalls nur einige Minuten später war der ortsansässige Notfall- und Taucherarzt anwesend
- nach kurzem Hin und Her wurde besagter Helikopter angefordert

Das Dilemma:
- der diensthabende Notarzt diagnostizierte - im Gegensatz zum erstgenannten Taucherarzt - anscheinend KEINEN Tauchunfall (ganz nach dem Motto: "Viele Köche verderben den Brei.")
- der Taucher wurde daraufhin ins Krankenhaus Bremerhaven geflogen, wo er ca. 5 h lang OHNE Sauerstoffgabe untersucht wurde
- der zuletzt untersuchende, dort tätige HNO-Arzt - Gott sei dank ein Taucher - veranlasste endlich die Verlegung in die Druckkammer Bremen, und bis dahin wieder Sauerstoffgabe

Die Behandlung:
- insgesamt 14 Druckkammerfahrten wurden durchgeführt (1x 6,5 h, 13x 2,5 h)
- nun ist der Taucher fast beschwerdefrei
- verletzt wurde bei dem DCS ein Teil des Gleichgewichts-Organes im Innenohr

Das Fragezeichen:
- der Taucherarzt rief einige Tage später in der Druckkammer an und erkundigte sich nach dem Wohlergehen des Patienten. Er erwähnte auch, dass aufgrund "politischen Druckes" wegen der am nachfolgenden Wochenende in Hemmoor stattfindenden Apnoe-Aktion vom Seebetreiber darauf gedrängt wurde, keinen Tauchunfall zu diagnostizieren?!?

Fazit:
- die Notfall-Organisation in Hemmoor ist einzigartig
- ein weiteres Telefonat mit dem Taucharzt brachte eine andere Argumentation zu Tage, nämlich oben erwähntes Entscheidungsdilemma. Der Notarzt habe höhere Kompetenzen als der zuerst anwesende Taucherarzt, und daher hätte dessen Diagnose gezählt.
- unsere Meinung dazu: behalten wir lieber für uns!!!
Antwort von Marco_NRW Registriertes Mitglied am 07.08.2004 - 09:31
Also ich finde es erschreckend das nun auch schon Ärzte "politischem Druck" ausgesetzt werden.
Ich finde das ein Arzt immer nach bestem Wissen und Gewissen entscheiden sollte, und eher zu drastischeren Maßnahmen greifen sollte (in dem fall Dekokammer) wie das Leben und die Gesundheit des Patienten auf`s Spiel zu setzen wegen einem blöden Apnoe-Event was eine Woche später stattfinden soll.

Desweiteren hat Apnoe mit Gerätetauchen soviel zu tun wie Schlittschuhlaufen mit Schwimmen :/

Antwort von Silberflosse Registriertes Mitglied am 07.08.2004 - 10:46
Mh, ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass der Seebetreiber auf eine Diagnose Einfluss genommen hat. Gerade Hemmoor hat einen sehr hohen Sicherheitsstandard und eine hervorragende Organisation in Punkto Notfälle. Wer soetwas schreibt, sollte mal daran denken, wie es an anderen "tiefen" Seen zugeht. Möchte jetzt kein Beispiel nennen, aber wer sich auskennt, der kann erahnen, welche Seen ich meine.
Vielleicht kann der Holger sich hier mal dazu äussern und die Sache klarstellen.

Freundliche Grüsse
und gut Luft
Antwort von musher Registriertes Mitglied am 07.08.2004 - 17:14
Weiß da noch Jemand etwas dazu?

Wieso hat überhaupt ein "normaller" Notarzt an einem Tauchsee, bei einem Taucher höhere Kompetenz, wie ein Taucharzt?
Der Taucharzt in diesem Falle doch der Facharzt war?

Des weiteren wundert es mich sehr, daß die Seebetreiber etzwas dagegen haben sollten, einen Tauchunfall aktenkundig zu haben.
Dann würde ja die ganze Statistik und Aufklärungsarbeit nicht stimmen? War es vielleicht schon Jemand von dem Apnoewettbewerb? - Nur eine vermutende Frage


An Silberflosse, mit was für tiefen Seen willst Du es denn vergleichen.
Kannst Du bestimmt nicht mit Bodensee, Starnbergersee oder Walchensee vergleichen, da dies große frei zugängliche Seen sind, während Hemmoor in einem privaten Bereich liegt.

Wäre toll, wenn man mehr zu den Einzelheiten erfahren könnten.
Antwort von Haleh Registriertes Mitglied am 08.08.2004 - 05:26
Das mit dem "Seebetreiber" sprich Holger kam über 2 Ecken bei uns an. Ich wollte damit weder ihm noch dem Arzt oder dem Übermittler dieser Aussage zu nahe treten, sondern nur die uns bekannten Fakten darstellen.
Das Hickack zwischen den Ärzten hingegen spricht für sich...

Dem Patienten geht es inzwischen wieder fast gut, die Untersuchung "offenes Foramen Ovale" findet nächste Woche statt, es ist aber kaum anzunehmen, dass er eines hat.

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