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Dies ist das internationale Unfallboard von Taucher.Net. Falls ein dir bekannter Unfall hier noch nicht aufgeführt ist, schickt uns am einfachsten eine Mail.
TU Panoramariff 26.12. Abgesandt von Joachim am 02.01.2002 :
Ein 45 ähriger Taucher aus Deutschland wurde nach einem Tauchgang auf 58m Tiefe nach langsamen Austauchen (laut Computer noch kein Deko-Tauchgang) von seinen 2 Tauchpartnern an der Oberfläche bewußtlos auf das Schiff gerettet. Taucher hatte an der Oberfläche die 2.Stufe ausgespuckt und vermutlich Wasser eingeatmet. Atmung und Puls hatten ausgesetzt, so daß an Bord sofort mit der HLW-Reanimation begonnen wurde. Bei Einsetzen der Eigenatmung wurde sofort mit O2 beatmet. Die Klinik und Druckkammer in El Gouna wurde alarmiert. Die noch im Wasser befindlichen Taucher wurden gerufen und der verunfallte Taucher unter permanenter O2-Gabe zur Soma Bay gefahren, wo ein Arzt an Bord kam. Auf der Fahrt zur Soma Bay mußte der immer noch bewußtlose Taucher noch zweimal reanimiert werden. Erst nach einer vom Arzt verabreichten Injektion und Infusion erlangte der Taucher das Bewußtsein und war ansprechbar. Ein Rettungswagen brachte den verunfallten Taucher in die Druckkammer nach El Gouna. Der Unfall hatte sich gegen 11:10 ereignet. Trotz frühzeitig abgesetzten Notrufs traf der Patient dann aber erst fast 5 Stunden später in der Klinik ein. Wie ich von der Frau des Tauchers erfahren habe, hat sich der Zustand bei 3 Stunden Druckkammer noch verschlechtert und er fiel ins Koma aus dem er erst m 31.12. wieder erwachte. Ärzte hätten Gasembolie im Gehirn diagnostiziert und hatten ca. 1/2 Liter Blut aus dem Magen gepumpt. Er sei nun ansprechbar und rede in ganzen Sätzen, könne jedoch den Körper noch nicht bewegen (Lähmung).
Sobald ich Weiteres erfahre, werde ich es bekannt geben.
Antwort von Taucher-Jörg am 03.01.2002 - 12:40 Das ist ein sehr bedauerlicher Unfall. Aber nur durch Wasser verschlucken an der Oberfläche bekommt man meiner Meinung nach keine Gasembolie. Es scheint mir, daß sich der Taucher evtl., wenn er nicht unbeabsichtigt auf 58m abgesackt ist, überschätzt hat. Bei 58m wird es mit Sicherheit ein Dekotauchgang gewesen sein.
Was sagt denn der Buddy dazu? War überhaupt einer dabei?
Was ich gut finde ist, daß der Taucher offensichtlich sofort richtig versorgt wurde. Was ich sehr schlecht finde, daß es in Ägypten immer noch sehr, sehr lange dauert, bis man in der Dekokammer liegt. Und das obwohl die Ägypter dort vom Tauchtourismus leben. Es ist halt doch immer noch eine andere Welt.
Antwort von Olaf am 03.01.2002 - 13:18 Wünsche dem Verunfallten auf jeden Fall erstmal Gute Besserung.
Tja, Panorama-Riff ist für tiefe TGs ein heißes Pflaster, und ich kann nicht so ganz glauben, daß es bei der Tiefe kein Deko-TG gewesen sein soll... ich will jetzt aber nicht vorschnell mit wilden Vermutungen um mich werfen, also warten wir`s mal ab.
Antwort von Joachim am 03.01.2002 - 16:41 Hallo Jörg und Olaf, der verunglückte Taucher war mit einem sehr erfahrenen Buddy (der normalerweise tiefe Tauchgänge nur als Solotauchgänge macht) auf eigenen Wunsch auf die Tiefe von 58m gegangen. Wir haben noch auf dem Boot mit Hilfe eines Interfaces und einem Palm den Aladin Ultra des Verunfallten ausgelesen: Es waren vom Aladin keine Dekopausen gefordert. Laut Tauchgangsprofil schneller Abstieg auf 58m und sofortiger Aufstieg bis auf irgenswo zw. 20-30m (wenn ich mich recht erinnere). Bis hier verläuft das Profil V-förmig. Von da ab sehr langsames Austauchen und sehr flacher Verlauf des Tauchprofils.
Vom Wasserschlucken oder -einatmen wird die Gasembolie wohl nicht herrühren.
Ich denke mir jedoch, daß sich Mikrobläschen bei dem schnellen Aufstieg von 58 auf 20-30m schnell vergrößern konnten, nicht schnell genug über die Lunge abgeatmet wurden und vom venösen in den arteriellen Blutkreislauf übertraten. Möglicherweise Rechts-Links-Shunt (vielleicht offenes Foramen ovale, wie bei 30% der Bevölkerung). Sind aber nur meine laienhaften ersten Gedanken. Genaueres werden wir hoffentlich erfahren, wenn der Taucher wieder zuhause ist.
Antwort von Joachim am 07.01.2002 - 17:17 Habe soeben, von einem aus Ägypten heimgekehrten Taucher, der auf dem gleichen Boot war, folgende email erhalten:
....[Er]ist nach einigem Heck-Meck mit der Versicherung am Donnerstag mit
einem Spezial-Flugzeug nach München gebracht worden. Dort soll nun mit
Physiotherapie-Maßnahmen versucht werden wieder etwas Bewegung in die
Gelenke zu bringen. Außerdem sollen weitere Druckkammerbehandlungen
erfolgen.
Er war kurz vorher noch zur Kernspintomographie in Kairo. Die Vermutung
auf Schlaganfall hat sich dort wohl bestätigt.
Er ist noch nahezu vollständig gelähmt, kann inzwischen den Kopf bewegen,
essen und auch sprechen. Er hat wohl auch schon teilweise Muskelreaktionen
auf Reizstrom gezeigt (zumindest einseitig an Arm und Bein). Die Ärzte
gehen davon aus, das eine auch nur teilweise Genesung mindestens Monate,
wohl eher Jahre dauert.
Antwort von Olaf am 07.01.2002 - 17:30 Bitter. Wünsche trotz allem schnellstmögliche Genesung.
Antwort von Mario am 20.01.2002 - 19:47 Dem betroffenen Taucher geht es mittlerweile wie folgt:
Gehirnfunktionen wieder okay, Erinnerungsvermögen und Sprachvermögen bei etwa 70-80 %. Die Lähmungen am Körper sind unverändert. Nach eineinhalb Wochen in der BG Murnau wurde er am Freitag nach Bochum verlegt.
Jetzt beginnt der schwierigste und schlimmste Teil.
Unfallursachen, soweit bekannt:
Schlaganfall, Dehydration, und zu viele tiefe Tauchgänge in Anbetracht der körperlichen Verfasung des Tauchers.
Antwort von Mario am 20.01.2002 - 19:56 Zum zeitlichen Ablauf (OLAF) wäre folgendes zu sagen:
alleine die Bergung und das Abfahren vom Panorama Reef hatte bereits eine gute halbe Stunde bis 40 Minuten gedauert, da ja noch Taucher im Wasser waren, und von einem Nachbarboot zusätzlicher Sauerstoff geholt wurde. Die Fahrzeit Panorama bis Sooma Bay war etwa 1,5- 2 Stunden. Die Erstversorgung durch den Arzt erfolgte im Hafen von Sooma Bay, und dauerte ebenfalls über eine Stunde. Anschliessen die Rückfahrt nach El Gouna. Somit sind die 5 Stunden gut erklärbar. Zudem hatte wesentliches zur (hoffentlichen) Regeneration des Tauchers nur die Gabe von Sauerstoff beigetragen, was der hervorragende Arzt in Sooma Bay auch richtig erkannt. Die Druckkammerbehandlung wurde "auf Verdacht" durchgeführt, und war letztlich weder positiv noch negativ für den weiteren Verlauf. Erst nachdem der Patient soweit stabil war, daß er die Fahrt zur KernSpinto überstehen konnte wurde er nach Kairo überführt. Erst dann konnte auch eine genaue Diagnose sowie die richtige Therapie gestellt werden.
Was bringt eine schnelle Verladung in den Krankenwagen,wenn der Patient noch nicht stabil genug ist um die Fahrt zu Überleben?
Der Taucher und seine Lebensgefährtin wollen sich auf diesem Wege nochmals bei allen an der Rettung Beteiligten zutiefst bedanken:
Ulrike, Joachim, Thomas, Arno, Carmen und all den anderen die auch seiner Lebensgefährtin in den folgenden Tagen beigestanden haben.
Antwort von Alexander am 21.02.2002 - 18:32 Also 5H hin oder her. Wie weiter oben schon einmal erwähnt, ist die mediznische Versorgung, die Rettungsmöglichkeiten für Taucher in Ägypten speziel Rotes Meer sehr bedenklich.
Wenn man bedenkt, daß die sicher von den Tauchern nicht schlecht leben.
Da macht sich anscheinend keiner einen Kopf um uns! Zu lange Wege zu den wenigen Deko-Kammern. Abhilfe würden meiner Meinung nach z.b. Hubschrauber, ständig pressente Schnellbode von Rettungsdienste/Küstenwache einigen Tauchern die Gesundheit bzw. das Leben retten.
Denke, wenn es am Geld liegt, währen sicher die meisten bereit, bei der Buchung eines Tauchurlaubs schon einen kleinen "Zwangs" Obulus zu zahlen, der direkt an ne Kasse für Seerettung im Roten Meer geht.
Oder wie ist die sonst zu diesem Thema die Meinung?
Gruß
Alexander
Antwort von Taucher-Jörg am 21.02.2002 - 18:50 ...warum extra Obulus? Wenn bei uns in Deutschland was passiert sind innerhalb kürzester Zeit alle möglichen Rettungsdienste wie Hubschrauber, Notarzt, Feuerwehr, Polizei... direkt da. Lobend kann man die Rettungskette in Hemmoor erwähnen. Das Funktioniert und muß natürlich anschließend von dem Verunglückten bezahlt werden.
Aber Du denkst doch nicht, daß, wenn in Ägypten ein Obulus bezahlt wird, die sich einen Rettungshubschrauber zulegen. Das Geld wird irgendwo als Backschich verschwinden. Nein, wenn einem was passiert, soll man auch für die Kosten geradestehen. Aber die nötigen Rettungsmaßnahmen sollen die Ägypter selber bereitstellen.
Antwort von Assi am 22.02.2002 - 11:13 möchte nur kurz anmerken, daß niemand vergessen sollte, in welchem Land man sich dort befindet! Das Rettungs- und Krankenversorgungssystem in Ägypten ist absolut nicht mit unserem westlichen zu vergleichen. Darüber sollte man sich im klaren sein, wenn man dort ist und zudem noch einen risikobehafteten Sport treibt. Die Bevölkerung hat genauso unter der schlechten Krankenversorgung zu leiden. Selbst wenn der Transport schnell verläuft ist es dort immer von der Kompetenz des behandelnden Arztes abhängig, ob gut diagnostiziert wird und die Behandlung entsprechend erfolgt !?
Ist es nicht anmaßend für uns mehr Dekokammern etc. zu verlangen, wenn die Einheimischen nicht mal bei normalen Erkrankungen vernünftig versorgt werden können. Die Alternative wäre, wenn eine Organisation auf privater Basis eine Dekokammer einrichten würde - die hohen Kosten müßten durch entsprechende Rechnungen an die Verunglückten erst mal wieder reinkommen.....!?
Also nicht so einfach das alles, oder......?
Antwort von Alexander am 22.02.2002 - 11:33 Natürlich soll jeder für seinen Schaden selber aufkommen. Dafür ist man (sollte zumindest) als Taucher doch auch versichert. Ob durch den Verein, den Verband oder irgendwie Privat.
Nur was nützt Dir die dickste Prieftasche oder die beste Versicherung, wenn Dein Boot 3/4 oder mehr Stunden braucht bis in den Hafen. Da währe doch zumindest ein Schnellboot z.B. der Küstenwache schon eine u.U. Lebensrettende Maßnahme.
Davon abgesehen, habe ich gehört, daß es sogar einen Rettungshubschrauber gibt, der allerdings nicht eingestetzt wird solange nicht klar ist wer bezahlt. (bzw. bis bezahtl ist!)
Med. Versorgung hin oder her. Die sollten mal bedenken daß die von uns Tauchern sicher nicht schlecht leben. Wobei es in Hugada ein nagelneues Krankenhaus gibt. War im letzten Urlaub jemand von unserer Gruppe. (Extra für touristen) (evtl. Scherz)
Gruß
Alexander
Antwort von Mario am 24.02.2002 - 23:20 ZU ÄRZTLICHE VERSORGUNG
AUF DER BASIS AUF DER ICH IM DEZEMBER GEJOBBT HABE (ICH DENKE AUF DEN ANDEREN AUCH) WIRD GEGEN EINEN KLEINEN BEITRAG (glaube 5 US-$ PAUSCHAL) EINE DEKOVERSICHERUNG ANGEBOTEN. RESONANZ BEI DEN GÄSZEN GEGEN 0.
ERST WENN WAS PASSIERT WACHT DER DURCHSCHNITSTOURI AUF.
ICH DENKE EIN SEHR PROBATES MITTEL UM GEFÄHRLICHE UNFÄLLE (FAST) AUSZUSCHLIESSEN:
TAUCHEN INNERHALB DER REGELN!
JEDER KENNT DIE REGELN SEINES VERBANDES; UND MEINES WISSENS ENDEN DIE TIEFENLIMITS ALLE BEI UM DIE 40 m. NEBENBEI BEMERKT GILT IN ÄGYPTEN EIN TAUCHLIMIT VON 30 m.
DURCH DIE EINHALTUNG VON LIMITS WÜRDE AUF DIESER UNFALL SEITE ERHEBLICH WENIGER STEHEN MÜSSEN.
Antwort von Taucher-Jörg am 26.02.2002 - 13:04 @Mario
...Unfälle passieren immer wieder, auch wenn Limits eingehalten werden. Siehe Bsp.: Golfballtauchen, Kalifornien, DCS bei AOWD-kurs, etc. Unfälle passieren überall, egal ob in der Luft, auf der Straße, unter Wasser,...
Was ich damit sagen will, ist, daß immer wieder Unfälle passieren werden, egal wo, egal ob Limits eingehalten werden oder nicht.
Deshalb ist es wichtig, daß ein vernünftiges Rettungssystem zu Verfügung steht. Und eine venünftige Rettungskette gibt es leider definitiv in Ägypten nicht. Hier müssen die Ägypter selber aktiv werden. Wenn die nicht in der Lage sind eine Rettungskette für die "gut zahlenden" Touristen aufzubauen, nützen die 5 USD für die Dekokammer auch nicht sonderlich viel. Viele Taucher sind ja auch bereits über Verbände, etc. versichert. Warum soll er also doppelt zahlen?
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