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Foren - int. Tauchunfälle - TU am 11.9. Baron Gautsch, Kroatien




  

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TU am 11.9. Baron Gautsch, Kroatien
Abgesandt von Ulf Registriertes Mitglied am 07.10.2006 - 12:47:

TU am 11.9.2006 an der Baron Gautsch, Kroatien

Als Mitbetroffener möchte ich hier von einem Tauchunfall berichten, der letztendlich für alle Beteiligten gut verlief, aus dem andere Taucher - vor allem Anfänger und Urlaubstaucher - lernen können.

Nach 9 Minuten Abstieg am Seil erreichten wir zu dritt das 31 m tiefe Deck des Wracks. Buddy 4 hatte Druckausgleichprobleme und war bei 7m umgekehrt. Die Sicht betrug 2m, 14° Temperatur. Wir tauchten sofort los, steuerbordseits. Buddy 2 hatte Tarierungsprobleme, wir nahmen sie darauf hin in die Mitte, handhaltend. Da sie immer wieder und hektisch den Inflator verlangte, hielten wir nach 4 min an und beschlossen, den Tauchgang abzubrechen.

Etwa zeitgleich bemerkte ich, dass beide Buddies im Kreis um mich herumschwammen, immer wieder, bis ich realisierte, dass ich mich wie verrückt im Kreis drehte. Ich hielt daher die Flossen still, versuchte mich zu konzentrieren, verlor die beiden trotzdem aus den Augen.

8 min lang versuchte ich vollkommen orientierungslos, aufzusteigen, pendelte aber immer zwischen 35 und 25 m, ohne wesentlich Höhe zu gewinnen. Alles drehte sich, einzigoe Orientierung waren die Digitalziffern auf dem TC, die ich stark verzögert realisierte. Die Buddies sah ich ein mal weiter entfernt vorbeikreisen und mit irrem Tempo in die Tiefe stürzen, sich aneinander festhaltend. Dann stieg ich in 5 min mit einer kurzen Unterbrechung und beim zweiten mal mit 20m/sec auf 10 m, fing dort ab, machte 5 min Sicherheitsstop, da ich auf Grund des immer noch anhaltenden „Tiefenrausches“ nicht in der Lage war, die 5m Tiefe ordentlich zu halten.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Todesangst und war zudem überzeugt, dass beide Frauen nie mehr lebend nach oben kommen.

Das Boot war etwa 50m entfernt, fuhr schon los, während es den Anker lichtete, zu meinen beiden Buddies, die um Hilfe rufend und stöhnend im Wasser abgeschleppt wurden. Nach großem OK schwamm ich zum Boot. Buddy 1 lag am Boden, Schaum vor dem Mund, bekam Sauerstoff, Buddy 2 lief noch herum, bekam dann auch Sauerstoff, da sie schockbedingt fror. Der TC der beiden zeigte Deko (18min auf 6 m) an, da sie 2x auf 40m auf Grund abgesackt waren. Buddy 1 hatte unten am Wrack nach und nach Panik bekommen, weil u.a. das Wrack nicht mehr zu sehen war und wollte „rauf, nur rauf“, Buddy 2 war ohne TC und ohne Tiefenmesser (!) unterwegs und versuchte, beide heil mit Hilfe des Aladin nach oben zu bringen. Zu einem Deko- oder Sicherheitsstop waren beide mental nicht in der Lage, obwohl sie mich da oben stoppen sahen. Beide hatten mich übrigens die ganze Zeit im Blick, wunderten sich nur, dass ich wie versteinert permanent auf meinen TC starrte.

Mein TC (Seeman XP5) zeigte im übrigen nur eine Verletzung der Aufstiegsgeschwindigkeit an (Minunte 24-25, 29 auf 10,5m).

Beide kamen sofort ins Krankenhaus nach Pula, Buddy 1 sechs mal, Buddy 2 ein mal in die Druckkammer. Wir sind jetzt alle wohlauf.

Das Verhalten des Käptns und der beiden deutschen Tauchlehrer, die eine AOWD-Ausbildungsgruppe begleiteten, war übrigens vorbildlich professionell, obwohl es deren erster „Fall“ war.

Bei mir zeigte sich 2 Stunden später, als ich die Ohren ausgleichen wollte, dass mein linkes Trommelfell ein 5mm langen Riß hatte (man macht Druckausgleich und es quietscht Luft und Wasser aus dem Ohr) – kein Tiefenrauch, sondern Drehschwindel, der durch das kalte Wasser, das ins Mittelohr drang, ausgelöst wurde. Zeitverzögert, da ich eine Haube trug. Schmerzen hatte ich im übrigen bis dahin keine, auch nicht beim etwas hektischen Abstieg. Da hatte es ein bisschen weh getan, aber Indianer kennen ja keinen Schmerz und wollen zum Wrack….

Wir trafen uns letzte Woche – gemeinsam mit unseren ehemaligen Tauchlehrern, um zu analysieren, was schief gelaufen war.

Wir hatten alle drei um 30 Tauchgänge AOWD. Damit ist man auf 30-40m bei schlechter Sicht im offenen Meer ohne Orientierungspunkte schnell überfordert. Sieht man auch an den Tauchprofilen: Luft ins Jacket, steigen beginnt, wird zu schnell, zu viel ablassen, mit Zeitverzögerung wieder runter: 8 min JoJo
Niemals zu dritt. In solch chaotischen Situationen muss man einen Buddy sich selbst überlassen und sich selbst retten!
Schlechte Planung: Wir versuchten ohne Seil aufzusteigen, weil wir über den Aufstieg nicht nachgedacht hatten.
Keine Ausbildung sieht Drehschwindel vor. Kombiniert mit verzögerter Reaktion in dieser Tiefe braucht es viel Ruhe.
Geh nie ohne eigenen Tiefenmesser ins Wasser. Der von deinem Buddy reicht nicht. Besser: kauf dir einen eigenen TC – meiner hat mir mein Leben gerettet.
Ich habe ab dem Drehschwindel nie (!) mein Fini kontrolliert. Wäre während eines Durchsackens die Luft alle gewesen, wäre ich ertrunken, da ich vergessen hatte, dass man in höchster Not den Bleigurt abwirft – lieber zu schnell nach oben als unten ertrinken! Buddy 1 trug ein bleiintegriertes Jacket: ich weiß bis heute nicht, wo man da das Blei abwirft…
Buddy 1 und ich sind 47. Wir beiden „alten Säcke“ werden uns zukünftig als Urlaubstaucher outen und jeden Tauchgang abbrechen oder nicht beginnen, bei dem wir uns nicht pudelwohl fühlen (war bei diesem Tauchgang nicht der Fall).
Unsere Tauchlehrer werden mit uns eine Privatstunde absolvieren: ein von uns geplanter und von den beiden begleiteter Tieftauchgang auf über 30m, um die Angst vor dieser psychologischen Schwelle zu nehmen. Aber: ohne Guide meines absoluten Vertrauens werde ich nie wieder solche Tiefen aufsuchen.

Mein Trommelfell ist mittlerweile sehr schnell zugewachsen, trotz Entzündungen und Tinnitus. Beides wird wohl sehr bald verschwinden, dann folgt ein Drucktest auf Tauchtauglichkeit.

Beide Mädels sind ebenfalls hier in Deutschland nachuntersucht worden (das Krankenhaus in Pula ist extrem veraltet) und „pumperlgsund“.

By the way: ADAC-Plus-Mitglieder mit Auslandskrankenversicherung erhalten die Druckkammerkosten (zwischen 900 und 1500 Euro pro Sitzung!) ersetzt.

Gruß: Ulf



Antwort von divingdyke Registriertes Mitglied am 07.10.2006 - 17:10
Hai Ulf,

zunächst einmal schön, dass es Euch allen wieder gut geht.

Ich finde es gut, dass Du so ehrlich Euren Tauchunfall gechildert hast.

Danke

Ich finde nicht, dass Du Dich, als Urlaubstaucher outest, wenn Du einen Tauchgang abbrichst oder erst gar nicht beginnst, wenn Dir dabei nicht wohl ist.

Ich finde damit outest Du Dich als besonnener Taucher.

Antwort von Leohel Registriertes Mitglied am 07.10.2006 - 19:17
Hallo,

Ihr habt Riesenglück im Unglück gehabt. Dass Ihr diesen Vorfall analysiert und auch offen darüber mit anderen Kontakt sucht ist sicher ein gutes Vorbild.
Ich habe in Kroatien sehr viele Wracke betaucht jedoch die Baron Gautsch nur einmal. Jedoch ist bei der Baron Gautsch öfters schlechte Sicht und andere erschwerende Umstände. Dass Ihr durch die Tauchbasis und TL`s gut aufgefangen wurdet, hat
Euch sicher viel Leid erspart. Leider sprichst Du in Deiner Analyse nicht von der Vorbereitung und den Maßnahmen, die vielleicht zur Vermeidung geführt/beigetragen hätten z.B. Aufgabe der Tauchbasis: Checktauchgang, Briefing, Beleitung durch Guide etc., oder in Eigenverantwortung z.B. gemeinsame Taucherfahrung zusammen etc. Auch wäre vielleicht interessant zu wissen, was Du meinst mit und warum Ihr Euch nicht pudelwohl gefühlt habt. Gerne höre ich auch von diesen Aspekten, da diese meiner Meinung nach auch oft von sehr großer Bedeutung sind.

Gruß

Leohel
Antwort von michael59 Registriertes Mitglied am 07.10.2006 - 20:16
Hallo Ulf, danke erst mal für deinen ausführlichen Bericht.
ich denke er kann wirlich helfen Unfälle zu vermeiden. Deine Schlussfolgerungen kann ich unterstützen. Nur die Schlussfolgerung das man einen Tauchpartner allein lassen soll verstehe ich nicht. Natürlich geht eigene Sicherheit vor der Rettung des Partners, aber hier verstehe ich den Zusammenhang nicht.
Zum Drehschwindel: Wer zum Ohrenarzt geht und dort das Gleichgewichtsorgan geprüft bekommt- dem wird kaltes Wasser in die Gehörgänge geleitet. Ich habe in meiner Ausbildung gelernt an der Oberfläche meine Kopfhaube zu fluten um das Wasser in den Gehörgängen anzuwärmen - irgendwann läuft immer was in die Kopfhaube und dann kann so ein Drehschwindel ausgelöst werden. Um den zu überwinden muss man dem Gehirn möglichst sichere Informationen geben welche Position der Körper hat- also am Abstiegseil sich fixieren;auf einen festen Punkt schauen- sich am Buddy orientieren und möglichst ruhig bleiben.
Dein Verhalten dich auf deine Instrumente zu konzentrieren und möglichst sicher auszutauchen war instiktiv wohl richtig; Respekt.
Deutlich wird natürlich der Planungsfehler und den die für einen solchen Tauchgang nicht ausreichende Ausrüstung von dir benannt.

Gute Besserung

Michael
Antwort von Christof Registriertes Mitglied am 07.10.2006 - 21:45
Hallo Ulf

Meine Hochachtung, dass Du hier so offen über Eure Erfahrungen berichtest. Ich hab das jetzt mehrfach - teilweise fassungslos - gelesen. Gut, dass hier keiner ums Leben gekommen ist.

Aus Deiner Beschreibung interpretiere ich insbesondere auch Ausbildungs-Defizite im Bezug auf ein Basisverständnis für grundlegende Sicherheitsaspekte (unvollständiges Equipment, fehlender Buddy-Check, Verhalten der Buddys und als Tauchgruppe, Reaktion auf widrige Umstände, ungeeignete Gruppenzusammensetzung, etc.). Ob die Ursache hierfür in diesem konkreten Fall beim TL oder beim Schüler zu suchen ist, kann ich natürlich nicht beurteilen. Von daher kann ich Dir nur empfehlen, auch darüber mal ernsthaft nachzudenken.

Im Zweifel such Dir besser einen neuen TL!!!

Gruß
Christof
Antwort von SiKAI Registriertes Mitglied am 07.10.2006 - 14:01
Meine Freundin und ich waren letzten Anfang September ebenfalls in Kroatien und wollten eigentlich auch an der Baron Gautsch tauchen. Was uns schlußendlich davon abgehalten hat, war das Wirrwarr um die Vorrausetzungen and ie Tauch erfahrung und das Brevet. Ich bin CMAS** mit 92 TGs ´, meine Freundin CMAS* mit 85 TGs. Erfahrungen von Ntgs über Strömungstauchen bis Tieftauchen +-40m alles dabei. An manchen Basen wollte man meine Freunding garnicht zur Gautsch lassen mit dem Hinweis ohne mind. AOWD geht garnichts. Aber AOWD mit 20 TGs oder Rescues mit 40 TGs dürfen da sofort runter. Die haben ja alle nötige Erfahrung in der Ausbildung gesammelt. :-OO Mich wollte man nur in Begleitung hinlassen. An anderen wurde uns wurde mehr auf die Anzahl und die Zusammensetzung der TGs im Logbuch wert gelegt und ausführliche Checkdives. Durch das Hin und her an allen Tauchbasen und die Preislisten haben wir uns entschlossen lieber gemütliche TGs am Riff zu machen.

Ich bin froh dass euch nichts weiter passiert ist und es euch wieder guht geht. Außerdem könnt ihr froh sein dass ihr professionelle und überlegt handelnde Guides hattet.

Ich möchte Dir nicht zu nahe treten, aber ich finde das ist ein Beispiel für die immer verbreitenere Brevetgläubigkeit. Ich hatte mit meinen 30 TGs nicht die Erfahrung um alleine auf 35 - 40 m zu gehen, schon gar nicht im Freiwasser.
Ich finde es unverantwortlich von Basen und Guides Taucher JEDEN Brevets alleine darunter zu lassen. Wir musten fast an keiner Basis irgendeine Rechenschaft über unsere Erfahrung abgeben. Meistens hieß es "zeig mir deine Brevet-Plastikkarte und ich sag Dir was Du darfst". Ich halte das für gefährlich und unverantwortlich.

Ich finde es klasse das Du den Vorfall genau analysiert hast und deine Lehren gezogen hast. Mit noch etwas Erfahrung wirst auch Du Dich mit Sicherheit mit tiefen und anspruchsvollen Tgs sicher und kontrolliert verhalten können. Den Du tust etwas was viele nicht tun: Aus Fehlern lernen.
Antwort von Arthur Registriertes Mitglied am 08.10.2006 - 00:10
Hallo Ulf,

Du hast meine Hochachtung. Ein sehr ausführlicher Bericht mit den richtigen Schlussfolgerungen.

Gruß Arthur
Antwort von ttm49 Registriertes Mitglied am 08.10.2006 - 01:52
Danke, Ulf, für diese lesenswerte und lehrreiche Unfallbeschreibung!

Eine Nachfrage noch dazu: Du gehst davon aus, einen Tiefenrausch gehabt zu haben, und deshalb verzögert auf die Anzeige des TC reagiert zu haben. Bist Du sicher, dass der Trommelfellriss-bedingte Drehschwindel dazu nicht schon allein ausreichte?

Dafür spräche, dass Du auf 10m Tiefe immer noch die gleichen Probleme hattest. Und eigentlich verflüchtigen sich Tiefenrauschsymptome ja sehr schnell, wenn man etwas höher steigt.

Wäre jedenfalls interessant zu hören, ob Du bei Deinem nächsten 30m-TG (dann hoffentlich ohne Trommelfellriss) nochmal so etwas wie Tiefenrausch symptome bemerkst.
Antwort von <TRON> Registriertes Mitglied am 09.10.2006 - 12:38
Hallo Ulf, ich finde es gut dass Du so offen schreibst!

Bei Deiner Geschichte denkt man sich beim lesen, in jedem 2. Satz.. Oh..mein..Gott.. hoffentlich geht das gut.

`Druckausgleich nicht geschafft`... o.O.
`an beiden Händen gehalten weil Tarierungsprobleme`... omg.. `Hektisch zum Inflator`... `keinen Tauchcomputer`...`keinen Tiefenmesser`...`Einzige Orientierung waren die Digitalziffern`... o.O.

Ja, dazu gibt es nicht viel zu sagen, ausser:
Sehr viel Glück gehabt!Ihr seit dem Tod durch `schlechte Guides/schlechte Basis/ schlechte Ausbildung/Unachtsamkeit/Dummheit und mangelnde Ausrüstung` nur knapp entgangen!

Ich gebe Euch da weniger die Schuld an dem Unfall, sondern Euren Lehrern, der Tauchbasis und den Guides. Die Guides sollten kein Lob bekommen, sie haben zwar scheinbar gut reagiert nach dem Unfall (was wohl jeder Rescue Diver o.ä. schaffen würde) aber sie haben sich um die Verantwortung gedrückt die sie als Guide haben. Sie hätten Euch ohne TC und Tiefenmesser auf KEINEN FALL alleine runterlassen dürfen. Gerade bei der Gautsch ist man sehr schnell in der Deko also ist ein TC Pflicht. Die Beurteilung Eurer Taucherischen Fähigkeiten war eindeutig falsch, entweder habt Ihr die mit der Anzahl der TG angelogen, oder sie haben nicht nach Eurer Erfahrung gefragt. Normalerweise merkt man auch beim Umgang mit der Ausrüstung die Taucherfahrung usw. Ich behaupte mal, wenn man auf 30m nicht tarieren kann, kann man es bei 10m noch weniger. Wurde kein Checkdive gemacht? Ich z.B. war mit 35TG auf einem Wrack (in Kroatien) auf 30m (Grund)Tiefe. Der Guide hat uns nicht alleine runter gelassen, weil wir zuwenig Erfahrung hatten, und so wurde es ein wirklich toller Tauchgang mit Guide. Alle Eure Probleme hätte ein Guide ohne jegliche Anstrengung behoben, und Ihr hättet warscheinlich sehr viel Spaß amTauchgang gehabt, die Probleme wären warscheinlich gar nicht aufgetreten, da ihr den Tauchgang entspannt genossen hättet. Und wenn schon kein Spaß, so hätte er Euch wenigstens sicher an die Oberfläche gebracht.

Ich war selber im August auf der Gautsch, und es ist definitiv kein Wrack für Anfänger. Vorallem verschlechtert sich die Sicht drastisch, wenn man nicht gut tariert ist (wie in Eurem Fall) und das ist neben der Gefahr (wie bei Euch) lästig und unfair den anderen Tauchern gegenüber (vorallem wenn man filmt oder fotografiert). Die Tiefe (40m Grund) die Kälte und die Sicht fördern natürlich eine Panik wärend der Stickstoffnarkose, da im Problemfall einen kühlen Kopf zu bewaren erfordert Ruhe, Selbstbeherrschung, aber vorallem Erfahrung.

Ihr habt bei diesem Tauchgang so ziemlich alles falsch gemacht was man falsch machen kann, und vorallem habt ihr Euch mächtig selbst überschätzt. Die beiden Buddies waren scheinbar absolut nicht in der Lage Dir zu helfen, ganz im Gegenteil, Du hattest als einziger ein Problem (Schwindel) und Dir wurde nicht geholfen. Ich behaupte also die beiden Buddies waren mit dem Tauchgang, auch ohne Probleme (was war deren Problem?)überfordert und wären (sind) ohne Deiner Hilfe in Probleme gekommen und sogar Gefahr gelaufen zu sterben.
Hast Du das vorher nicht gewusst, oder hast Du gedacht, du beschützt die beiden schon? Warum seid ihr nicht alle mit dem 4. Buddy wieder aufgestiegen, bei 7m wieder aufzusteigen ist ja kein wirkliches Problem? Dann hättet ihr an der Oberfläche entscheiden können, ob ihr zu 2. runtergeht, oder zu 3. oder ob es der 4. Buddy nochmal versucht.

Du sprichst vom Tiefenrausch als ob er an irgendetwas schuld wäre. Mir fällt auf, der Tiefenrausch wird fälschlicherweise oft als Grund für etwas genommen, `ich hab den Tiefenrausch bekommen, daher hab ich das so gemacht`. Man bekommt den Tiefenrausch IMMER wenn man gewisse Tiefen überschreitet. Die Tiefe ist bei jedem verschieden, bei 30m hat aber JEDER Taucher den Tiefenrausch. Die Frage ist nur wie man mit der Stickstoffnarkose (Tiefenrausch) umgeht. Wenn alles passt, merkt man die Stickstoffnarkose meist nicht wirklich, man fühlt sich nur wohl und ist entspannt, wenn man allerdings in Probleme kommt (Tarierprobleme/Drehschwindel/Ausrüstung..), fördert die Stickstoffnarkose natürlich die Panik und man kann leicht in Todesangst (völlig unbegründet - irrational) kommen. Ich denke Dein Vertigo wäre ohne Probleme zu lösen gewesen, wenn Dir Dein Buddy (oder beide Buddies) geholfen hätten. Deine Aussage bezüglich Vertigo in der Ausbildung stimmt nicht, man lernt serwohl die Luftblasen zu beobachten, oder sich an einem Seil (o.ä.) anzuhalten, oder eben ein Buddy hilft einem die Orientierung wieder zu erlangen.

Wie schon erwähnt sehe ich die Schuld hauptsächlich bei den Guides, sie hätten bemerken müssen, dass ihr nicht die Profi-Taucher seid und wenn ihr sie bei der Anzahl der Tauchgänge und der Erfahrung nicht belogen habt, haben sie meiner Meinung nach grob fahrlässig gehandelt. Es ist wirklich sehr schade, dass scheinbar nur auf Prevets geachtet wird `aha, aowd... super, kein Problem` und nicht auf die Erfahrung. Ist die Frage nach der Anzahl der TG gekommen?

Also, dickes Lob an Dich, dass Du so offen über alles gesprochen hast, und Glückwunsch dass es Euch allen 3 gut geht, hätte wirklich sehr schlimm Enden können. Ich empfehle euch eine Tauchsafari in Egypten, da ist immer ein Guide dabei (darf man gar nicht alleine), die Sichtweiten sind top und ihr könnt relativ sicher das Tauchen lernen...
Antwort von Dive & Fun Font De Sa Cala Registriertes Mitglied am 10.10.2006 - 05:44
Super!!! Gut das du/Ihr versucht der Sache auf den Grund zu gehen. Aber ich habe in dem ganzen Chaos auch gelesen, dass Tarierungsprobleme nichts auf einem 30 Meter TG zu suchen haben. Da muss sich die Basis einen "Schlag" verpassen lassen, auch wenn sie anschliessend gut reagiert hat. Manchmal bin ich froh, das wir hier nur tiefen um die 20 Meter haben. Macht es doch die Sicherheit etwas grösser. Viele Taucher leiden oft auch an Überschätzung ihrer Fähigkeiten. Nicht in normalen Situationen, sondern wenn mal etwas aus der Bahn läuft kann man seine Erfahrung nutzen, und genau dass sollte man immer einplanen. Gute Sicht kann jeder, kalt und schlechte Sicht + Unstimmigkeiten sind schon nicht mehr einfach zu meistern. Gut das ihr das hier öffentlich gemacht habt, denn so können auch andere wirklich lernen sich und Guides besser zu schützen.
PS: Wenn man seinen Buddy bei 7 Meter allein lässt spricht das nicht für den anderen Buddy. Was ist, wenn er ein Problem an der Oberfläche bekommen hätte? Ein Tauchgang muss nicht zwingend durchgeführt werden, wenn man ihn antritt. Man kann auch abbrechen. Niemand sollte das übel nehmen. Nennt man Verständnis!!!!!
Antwort von baron_ulf Registriertes Mitglied am 10.10.2006 - 22:21
@Leohel: Wir 3 bzw. 4 hatten 6 Tauchgänge gemeinsam durchgezogen und immer viel Spaß schon im Vorfeld gehabt. Doch das waren alles Bucht- und Küstentauchgänge. Da gab es im Vorfeld zur Gautsch ein "wohliges Gruseln". Wir wussten, dass wir uns da unten sehr konzentrieren müssen.

@Christof: Unsere Ex-Tauchlehrer haben uns bei den vorangegangenen Tauchgängen beobachtet und hatten den Eindruck, dass alles klappt. Sie hatten halt an der Gautsch Schüler dabei und wir waren die "freie Gruppe".
Doch es werden jetzt Ausbildunginhalte geändert, haben Sie u.a. als Lehre gezogen: z.B: "Man kommt in die Deko... Ups! Was nun" - das ist leider kein ausführlicher Padi-Inhalt im OWD / AOWD.
Und die beiden machen sich Vorwürfe. Mehr, als meiner Meinung nach gerechtfertigt ist.

@ttm49: unten dachte ich: Tiefenrausch. Auf 10m war mir komplett unklar, wieso mir immer noch das Gleichgewicht fehlte, obwohl ich oben die Oberfläche sah. Ich schob es auf den Schock.

@(ohne Namen): Wir alle konnten tarieren, hatten 6 Tauchgänge direkt davor durchgezogen, bis 15m, einer davon sogar in einer Maximaltiefe von 5,5m in 61 min - tarieren pur. Es war einfach alles zu hektisch. Und mein Buddy 1 bekam Panik, deshalb konnten mir die beiden nicht helfen: 1 mit Panik und 2 mit dem Versuch, 1 und sich zu retten. Mich sahen sie immer etwas über sich leise kreiselnd aufsteigen und ahnten nichts von meinen Problemen.

Korrekt ist, dass man in Kroatien ohne Guide losgelassen wird. Und sich dann vielleicht überschätzt.
Antwort von Bert Rudeck Registriertes Mitglied am 11.10.2006 - 09:13
@" " am 09.10.2006 - 12:38

"bei 30m hat aber JEDER Taucher den Tiefenrausch"

Mindestens jeder zweite TG geht bei mir tiefer als 30m. Ich tauche mit Luft. Natürlich ist mir bewußt, dass mit zunehmender Tiefe die Reaktions- und Wahrnehmungsfähigkeit nachläßt. Einen rauschhaften Zustand oder das Gefühl nicht mehr angemessen agieren zu können, habe ich bisher aber noch nicht erlebt.

@Dive & Fun Font De Sa Cala

"dass Tarierungsprobleme nichts auf einem 30 Meter TG zu suchen haben."

Das ist sicher richtig. Tarierungsprobleme treten aber mit zunehmender Tiefe eher in den Hintergrund. Am Schwierigsten ist das Tarieren im flachen Wasser, da die relativen Druckunterschiede hier am größten sind. Damit man in großen Tiefen Tarierunsprobleme bekommt, muss man schon sehr überbleit sein.

"Manchmal bin ich froh, das wir hier nur tiefen um die 20 Meter haben. Macht es doch die Sicherheit etwas grösser."

Falls diese Sicherheitsgefühl nicht täuscht. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass ein großer Anteil der bekanntgewordenen Lungenüberdruckverletzungen beim Schwimbadtraining auftreten.
Probleme mit der Tiefe haben oft einen psychologischen Hintergrund. Insofern macht es durchaus Sinn regelmäßig größere Tiefen auszusuchen, um das unterbewußte aus dem Unbekannten resultierende Angstgefühl zu bekämpfen.

Gruß
Bert
Antwort von Patrick B Registriertes Mitglied am 11.10.2006 - 18:29

Hallo Ulf,

auch ich finde Deinen Bericht sehr gut und er ist für viele sicher ein Lehrbeispiel. Auch Eure Folgerungen sind schlüssig.

Da ich die BG kenne behaupte ich einfach mal, daß dies kein einfacher TG war. Mit 30TG´s sollte man zumindest den ersten TG nur in kompetenter Begleitung dorthin tauchen. Desweiteren war schlechte Sicht, was eine zusätzliche Problematik darstellt.

Worüber leider noch nicht berichtet wurde ist, daß man nicht nur in den taucherischen Fähigkeiten reifen muß, sondern auch emotial mit gewissen Situationen umgehen lernen muß. Dies braucht vor allem Zeit und auch etwas Geduld. Man stelle sich vor: 25m am Seil abtauchen, bevor man den Topf erst sieht. Bei schlechter Sicht tun sich dann gespenstische Formationen auf, die so noch nie gesehen wurden. Kälte und Tiefe tun ihr übriges dazu. Bei leichter Strömung über Deck (das gibt es dort häufig) ist das Tarrieren und auch das im Auge behalten der Partner erschwert.

Aus heutiger Sicht (und das ist leicht, weil am Montag jeder die Lottozahlen vom Samstag kennt) würde man sagen, es wäre klug gewesen unter diesen Bedingunen den TG gar nicht erst durchzuführen. Das hast Du aber auch selbst schon erkannt.

Viele Grüße und schöne, stessfreie TG

Patrick
Antwort von Willi Wels Registriertes Mitglied am 12.10.2006 - 14:18
@" " am 09.10.2006 - 12:38

"bei 30m hat aber JEDER Taucher den Tiefenrausch"
Wie meinst Du das?
Wir waren öfter auch tiefer OHNE Tiefenrausch, sind wir jetzt keie Taucher oder tritt Tiefenrauch nur auf 30,0m auf und bei 31m nicht mehr???

Fragende Grüße
Willi Wels
Antwort von Maxx Registriertes Mitglied am 14.10.2006 - 00:23
Hallo Zusammen,

nachdem ich die Diskussion eingehend verfolgt habe und den Beitrag äußerst lehrreich fand und nachvollziehen konnte kenne ein wenig das Gefühl des Drehschwindels bei einem Defekt am Trommelfell interessiert mich nur noch die Frage:
"Der TC der beiden zeigte Deko (18min auf 6 m) an, da sie 2x auf 40m auf Grund abgesackt waren." War dies ein Wiederholungstauchgang oder wie kam es zu dieser Dekopflicht auf dem Rechner?

dive safe

maxx
Antwort von Armin H. Registriertes Mitglied am 15.10.2006 - 15:15
Hallo Ulf,

ich finde es gut, daß Du dich nicht scheust und Dich als "Urlaubstaucher" outest und uns hier einen so detaillierten Bericht lieferst. Ich bezeichne mich ebenfalls als "Urlaubstaucher", habe in Kroatien meine Tauchausbildungen (CMAS* und CMAS**) gemacht und die Gautsch mehrmals betaucht, zuletzt am 3. September 06. Allerdings IMMER in Begleitung eines erfahrenen Guides meiner Tauchbasis. Deshalb ist es mir unbegreiflich, wie man euch 4 "Anfänger" dort alleine runter lassen konnte. Das würde "meine" Tauchbasis, bei der ich ausgebildet wurde, nie zulassen. Tarierungsprobleme, bei denen man den Betroffenen festhalten muß, sollten nach 30 Tauchgängen AOWD auch nicht vorkommen. Hatte dein Buddy vieleicht eine Leihausrüstung, mit der sie nicht klarkam ? Wo waren die von Dir erwähnten deutschen Tauchlehrer während des Tauchgangs ?
Für uns Anfänger ist eine professionelle Begleitung ein muß. Das zeigt dein Bericht überdeutlich.
Ich habe vor, jetzt am 28.10. bis 1.11. für ein verlängertes Wochenende runterzufahren und einige Wracktauchgänge zu machen. (Wenn jemand Interesse hat, mail an mich) Wie immer mit professioneller Begleitung, Brieving, Namenstafel am Seil, Dekofeld mit Notflasche und den vielen kleinen Sicherheitsvorkehrungen, die mir die Nervosität und die Angst nehmen, daß mir im Unglücksfall nicht geholfen werden kann.
Bei "meiner" Tauchbasis kostet ein Tagesausflug zur Gautsch mit 2 Tauchgängen 63 Euro. Komplett mit Boot und Flaschenfüllung etc.
Das ist mir meine Sicherheit wert.
Ein Schwindelunfall, Panik oder Trommelfellriss kann JEDEM passieren.

Gruß
Armin
Antwort von baron_ulf Registriertes Mitglied am 16.10.2006 - 20:20
@maxx: wir hatten am tag davor 3 tauchgänge incl. nachttauchgang. sie mussten in die deko, weil sie in summe bei diesem letzten tauchgang länger unten waren als ich. und weil der tc ein aladin war, ich trage den weniger konservativen seeman xp5

@armin: die tarierungsprobleme - das weiß ich seit letzter woche erst - resultierten wohl aus überbleiung. sie hatte wg. haube, handschuhen 2kg mehr mitgenommen - glatter zusatzfehler.
die tauchlehrer sind unsere ex-tauchlehrer und freunde, hatten eine aowd-ausbildungsgruppe zu betreuen, waren aber außer sicht, da sie über das wrack hinwegtauchten, wir aber seitlich entlang.
Antwort von Armin H. Registriertes Mitglied am 17.10.2006 - 23:26
Hi Ulf,

kann ich nicht nachvollziehen, wie man mit 2 kg Blei zuviel Tarierungsprobleme bekommen kann. Mit 2kg zu wenig ja, klar. Aber mit 2 zuviel? Die Ursache muss wo anders liegen.

Antwort von Bert Rudeck Registriertes Mitglied am 19.10.2006 - 09:38
@Armin H.

Zuwenig Blei bedeutet, dass man nicht abtauchen kann, bzw. am Ende des TG Probleme bekommt, unten zu bleiben bzw. kontrolliert auszutauchen. Dieser Zusammenhang erschließt sich auch jedem Anfänger sofort, daher nehmen viele Taucher lieber zuviel als zuwenig Blei mit.

Zuviel Blei bedeutet in erster Linie, deutlich mehr "Tarierarbeit". Beim Abtauchen muss ich häufiger und in der Summe viel mehr Gas in das Tariermittel füllen und beim Aufsteigen muss ich entsprecht häufiger und mehr wieder ablassen.

Wenn man nun eine Situation hat, in der man an einem Seil z.B. zu einem tief liegenden Wrack abtaucht, muss man, falls man überbleit ist, eine relativ große Menge Gas in kurzer Zeit in das Tariermittel füllen. Wenn man damit zu spät anfängt gelingt es oft erst zu spät, den `Fahrstuhl` anzuhalten und schon ist unser imaginärer Taucher auf 50 statt wie geplant auf 40m.

Gruß
Bert
Antwort von Armin H. Registriertes Mitglied am 19.10.2006 - 13:42
Hi Bert,

ich versteh Deine Argumentation mehr Blei->mehr Luft ins Jacket und damit mehr Tarierarbeit. Aber wer bei nur 2 kg mehr Tarierprobleme bekommt, war entweder vorher schon total überbleit oder hat generell ein Problem mit dem Tarieren, oder ?
Antwort von Bert Rudeck Registriertes Mitglied am 19.10.2006 - 14:57
@Armin H.

Jedenfalls merkt man 2kg zuviel schon deutlich. Einem ungeübten Taucher - und um die geht es ja hier - kann das schon sehr zu schaffen machen und in einer Stresssituation ein Problem zuviel sein.

Gruß
Bert
Antwort von Longi@tc-stingray.de Registriertes Mitglied am 26.10.2006 - 12:04
@Ulf
eine Frage, die sich mir noch stellt: ist Dir da Trommelfell während des Tauchgangs gerissen oder war es schon vorher angerissen?

Hintergrund meiner Frage: hätte man diese Beinahe-Katastrophe evtl. durch eine Untersuchung eines HNO-Arztes verhindern können oder hast Du tatsächlich nichts von dem Riss gemerkt?
Antwort von Daggett Registriertes Mitglied am 27.10.2006 - 23:26
Hallo, danke für deinen überaus genauen Bericht!

Eine Frage:
Du sagtest das du wegen Trommelfellriss bei jedem Druckausgleich nach dem Tauchgang, ein quitschen Geräusch und Wasser aus dem Ohr rinnen hörst! Diese Symptome hab ich schon seit meinem zweiten Tauchgang (also seit ca. 6 Monate) bist du sicher das es der einzige Grund ein riss im Trommelfell ist, ansonsten geht es mir gut, allerdings hatte ich vor 3 wochen eien Tag lang stechende Schmerzen für mehre Stunden im selben Ohr.
Antwort von baron_ulf Registriertes Mitglied am 28.10.2006 - 15:19
@Longi,
ich hatte 4 Wochen vorher Tauchtauglichkeits-Untersuchung. Dabei wurde eine Entzündung in beiden Ohren festgestellt, die mit Antibiotika behandelt wurden. 2 Wochen vorher wurden die Ohren erneut untersucht und für gesund befunden.

Nach langem Nachdenken und vielem Diskutieren mit Tauchfreunden weiß ich jetzt, dass das Trommelfell in der Maximaltiefe gerissen ist - denn da hat es noch mal ordentlich geknackt - mir das (durch den Tiefenrausch auf 36m?) aber relativ wurscht war.
Antwort von flasche Registriertes Mitglied am 09.12.2006 - 15:29
@Ulf (oder Baron Ulf):
Einer hat Druckausgleichsprobleme, einer hat Tarierungsprobleme, abtauchen mit 3m/min. Vielleicht hättet ihr doch viel früher abbrechen sollen?

"8 min lang versuchte ich vollkommen orientierungslos, aufzusteigen, pendelte aber immer zwischen 35 und 25 m, ohne wesentlich Höhe zu gewinnen."
Hat dein Tauchcomputer keine akustische Ausgabe? Einfach hochgehen, und wenn`s piept, etwas Luft aus dem Jacket lassen. Wenn man`s anders nicht hinbekommt. Irgendwie muß man ja, wenn anders nicht möglich, eindeutig zwischen "hoch" und "runter" unterscheiden können. Weiter oben natürlich dann möglichst langsam werden.

"Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Todesangst und war zudem überzeugt, dass beide Frauen nie mehr lebend nach oben kommen."
Ich fasse mal zusammen: Einer hat Druckausgleichsprobleme, einer hat Tarierungsprobleme, einer hat sowieso Probleme (weil Frau), und du (als Nummer 4) hast Drehschwindel. Irgendwas lief doch da von Anfang an schief, oder? Hast du dich als echter Mann nicht getraut, vorher abzubrechen?

"Der TC der beiden zeigte Deko (18min auf 6 m) an, da sie 2x auf 40m auf Grund abgesackt waren."
Von 2x kurz auf 40m bekommt man keine 18min Deko auf 6m. Von eurem unendlich langsamen Abstieg auf 30m und der ewig dauernden Entscheidung zum Tauchgangsabbruch in der Tiefe dann schon eher.

"Beide hatten mich übrigens die ganze Zeit im Blick, wunderten sich nur, dass ich wie versteinert permanent auf meinen TC starrte."
Klasse.

"Wir sind jetzt alle wohlauf."
Gratuliere. Glück gehabt.

"Wir hatten alle drei um 30 Tauchgänge AOWD. Damit ist man auf 30-40m bei schlechter Sicht im offenen Meer ohne Orientierungspunkte schnell überfordert."
Gilt nicht generell, aber anscheinend für eure Truppe unter den Bedingungen, die da herrschten.

"Niemals zu dritt."
Warum nicht? Zu zweit ist`s bei Eurer Ausfallquote noch viel gefährlicher.

"In solch chaotischen Situationen muss man einen Buddy sich selbst überlassen und sich selbst retten!"
Den Satz verstehe ich nicht.

"Schlechte Planung: Wir versuchten ohne Seil aufzusteigen, weil wir über den Aufstieg nicht nachgedacht hatten."
Es hängt nicht überall ein Seil, vielleicht kann man auch nicht zum Seil zurück. Man muß auch ohne Seil aus jeder Tiefe normal aufsteigen können, oder darf nicht so tief tauchen.

"Keine Ausbildung sieht Drehschwindel vor."
Das war ja auch nicht das einzige Problem. Das Problem war die extrem hohe Ausfallquote, 3 bis 4 von 4 Tauchern waren überfordert.

"Geh nie ohne eigenen Tiefenmesser ins Wasser. Der von deinem Buddy reicht nicht."
Meine Güte... Jetzt wird`s aber zu albern.

"Ich habe ab dem Drehschwindel nie (!) mein Fini kontrolliert. Wäre während eines Durchsackens die Luft alle gewesen, wäre ich ertrunken, da ich vergessen hatte, dass man in höchster Not den Bleigurt abwirft"
Aha. Dann vielleicht doch die zweite Flasche (Ponyflasche). Und aus so 20m kommt man, ohne Dekobedarf, im Normalfall auch noch so hoch. Und eine Flasche wird nicht ganz plötzlich leer, am zunehmenden Atemwiderstand merkt man`s, und kann sich dann schon mal etwas mit dem Aufstieg beeilen, wenn man keinen Baddie greifbar hat.

"Buddy 1 trug ein bleiintegriertes Jacket: ich weiß bis heute nicht, wo man da das Blei abwirft…"
Am Besten gar nicht. Ansonsten macht er`s selbst, z.B. nahe der Oberfläche. Ansonsten ist da meist irgendein farblich hervorgehobenes Knöpfchen oder eine Lasche oder so zu erkennen, aber besser vielleicht, du weißt nicht, wie es geht. Nachher willst du mich retten und reißt mein Blei raus, statt daß wir zu zweit auftauchen.

"Buddy 1 und ich sind 47. Wir beiden „alten Säcke“ werden uns zukünftig als Urlaubstaucher outen und jeden Tauchgang abbrechen oder nicht beginnen, bei dem wir uns nicht pudelwohl fühlen (war bei diesem Tauchgang nicht der Fall)."
Bei soviel Ausfällen müßt ihr euch doch irgendwann zum Abbruch entschließen. Wenn nicht bei Nummer1, dann doch spätestens, wenn ihr Nummer2 an die Hand nehmen müßt?

"Unsere Tauchlehrer werden mit uns eine Privatstunde absolvieren"
Wenn das mal reicht.

"ohne Guide meines absoluten Vertrauens werde ich nie wieder solche Tiefen aufsuchen."
Einfach langsamer rantasten. Öfter in geringerer Tiefe bei besserer Sicht tauchen, und langsam die Schwierigkeit erhöhen. Und besser miteinander kommunizieren, vor und während des Tauchgangs.


@Bert Rudeck
"muss man, falls man überbleit ist, eine relativ große Menge Gas in kurzer Zeit in das Tariermittel füllen. Wenn man damit zu spät anfängt gelingt es oft erst zu spät, den `Fahrstuhl` anzuhalten"
Da widerspreche ich mal einfach. Wenn man in 20m annähernd austariert ist, und aus irgendeinem Grund auf 30m absackt, dann muß man mit 2kg zuviel Blei, weil man da austariert 2l mehr Luft in 20m hatte, in 30m dann etwa 0.5l Luft mehr ins Jacket dazugeben, als wenn man richtig bebleit gewesen wäre. In größerer Tiefe ist der Unterschied noch kleiner. Das wird man wohl noch locker hinbekommen, denn in 3..5m Tiefe muß man ja auch tarieren können; da sind die Luftdifferenzen (auch bei richtiger Bebleiung) größer.
Antwort von Bert Rudeck Registriertes Mitglied am 11.12.2006 - 15:09
@flasche
Einen Volumenverlust von 0,5 Litern auszugleichen, dauert in 30 m Tiefe deutlich länger als in flachen Wasser, weil das Füllgas stärker komprimiert wird bevor das entsprechende Volumen erreicht wird.
Dieser Zeitverzug führt einerseits dazu, dass das Tarieren in größerer Tiefe leichter wird (wenn der Abstieg permanent gesteuert erfolgt, andererseits sinkt man möglicherweise tiefer ab als beabsichtigt (wenn man den Abstieg zu spät abzubremsen beginnt).

Ich glaube, dass diese Erfahrung von jedem Taucher schon mal gemacht wurde.

Gruß
Bert
Antwort von flasche Registriertes Mitglied am 12.12.2006 - 09:41
@Bert Rudeck
Da hast du natürlich recht.
Und jetzt atme ich mal ganz tief ein.
Antwort von Kalki Registriertes Mitglied am 15.12.2006 - 21:14
Krasser Fall,läßt mich irgendwie ziemlich nachdenken über Fehler,die gemacht wurden,jedoch besser nicht gemacht werden sollten.
Buddy 4 hats von vornherein richtig gemacht,Abbruch da kein Ausgleich möglich.Schluß,Ende und Aus für diesen Tag.
Ich finde echt gut,dass du so ausführlich drüber schreiben kannst über das erlebte,wird sicherlich den ein oder andren zur Vorsicht ermahnen und solche Fehler durch entsprechendes Handeln ausschließen lassen.

Fehler habt ihr 3 zur genüge gemacht
am heftigsten finde ich jedoch das ding mit dem Blei und die Tarierung,Ihr solltet euch angewöhnen,vor JEDEM Tauchgang eure Buddys zu schnappen und euch Gegenseitig über die angelegt Ausrüstung informieren,mit eigenem Equi geht das wunderbar an Land,dort kann man alles üben ohne naß zu werden und notfalls zu einem potentiellen Opfer zu werden. jeder Taucher kann seine Ausrtüstung ändern bzw andere Komponenten benutzen,über deren Umgang im Ernstfall keiner bescheid weiß,sowas KANN nicht gut gehen,es soll ja auch Taucher geben,die die Gurtlasche des Bleigurtes einige male um den Gürtel wickeln, wie dann ein Notabwurf möglich sein soll,wage ich sehr zu bezweifeln,echt.
Wir von unserem Club machen vor JEDEM TG nen Equi-Check,erklären den andren,was,wann,wo und wieso....

Tauchgangsplanung:
Wie war das noch mal?
Plane deinen Tauchgang und Tauche deinen Plan,oder ? Ihr habt euch demnach einfach das Equi umgeschnallt und seit ins Wasser rein,ohne zu wissen,was ihr wirklich tut.Schon schei....
Setzt euch vorher zusammen,wenn ihr allein unterwegs seid,bequatscht das Vorhaben,inklusiver der Tiefen,der Zeiten für jede Ziefe,die ihr gedenkt dort verweilen zu wollen, Vorsorge-maßnahmen zur besseren TG-Planung wie z.b. T-Zeichen (beide Hände gestreckt,Mittelfingerspitze der einen Handan die Handfläche der andren führen) geben an die andren Buddys,bedeutet "Halbzeit",so machen wirs immer,der Gruppenführende weiß so bescheid,wer am wenigsten Air im Tank hat und plant so schon mal kürzer. Gibt genügend weitere Handzeichen,die man aber dann auch drauf haben und auch verstehen sollte,was diese bedeuten.

Ihr seid alle AOWD,hm, ich würd allein,ohne Ortskenntnis ungern mit euch in das Nass hüpfen,ungewohnte Tauchplätze mit ungewohnten umgebungsverhältnissen läßt man lieber mit äußerster Vorsicht angehen,und shcon gar nicht ohne Ortskundigen Guide,auch wenn die meinen,ihr seid Fit genug dafür. Schon gar nicht bei nur 2 m Sicht.Ohweia,
Genug nun der "Verbesserungsvorschläge", sind genug gefallen schon,aber ich sag mal ganz krass, nur daraus lernt man.

ICh will euch jedoch eins Nahelegen!!
Seht euch NICHT als Urlaubstaucher an,im Gegenteil, macht weiter,aber nehmt euch das Erlebte zu Herzen,handelt entsprechend,bleibt vielleicht fürdie nächste Zeit einfach mal auf 15m Tiefe max(gibt genug Plätze,wo man hier auch genug sieht) und nehmt euch noch mehr Praxis an,Routine muß wieder her,damit ihr das Tauchen nicht als "Gefahrensport" anseht ,denn sowas kann nach so einem Erlebnis schnell passieren!

Lernt draus und setzt es -für euch persönlich- entsprechend in die tat um,und vermeidet in Zukunft solche Schnitzer.

Gut Luft
Kalki

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