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TU am Starnberger See
Abgesandt von Redaktion (HP) Registriertes Mitglied am 26.08.2007 - 20:51:

Zwei Taucher machten am Samstag einen Wiederholungstauchgang der wieder jenseits der 40 m war.
In 43 m Tiefe blies von dem ersten Taucher der Lungenautomat ab, worauf er einen Notaufstieg einleitete.
Der Verunfallte schwamm ans Ufer und erkundigte sich, ob andere Taucher Sauerstoff dabei hätten.
Ersthelfer gaben Sauerstoff und die Notkette wurde eingeleitet.

Der Buddie hatte von die Schwierigkeiten unter Wasser bemerkt, hatte aber seinen Tauchkollegen aus den Augen verloren und tauchte Richtung Ufer aus.
Er war sichtlich erleichtert als er seinen Buddie bereits am Ufer gut versorgt antraf.
Der Taucher wurde mit Helikopter in die Druckkammer geflogen.
Die Leih-Ausrüstung wurde von der Polizei sichergestellt.
Dem Buddie wurde nahegelegt sich ebenfalls in Behandlung zu begeben.


Dank an die Ersthelfer und an die reibungslos verlaufende Versorgung.


Es waren im Einsatz:
2 Boote der Wasserwacht
2 Boote der DLRG
1 first respond
Notarzt
Krankenwagen
Wasserschutzpolizei
Polizei
Helikopter

Die Ausrüstung:
Pressluftflasche mit zwei Abgängen
nur eine erste Stufe
nur ein Computer für zwei Taucher
nur Finimeter ohne Tiefenmesser

Vielen Dank an Christian



Antwort von kwm Registriertes Mitglied am 26.08.2007 - 23:17
Erst mal gut, das es für die beiden Taucher gut ausgegangen ist.

Trotzdem ist es mir unbegreiflich, wie man in eine solche Tiefe vorstoßen kann, ohne geeignete Ausrüstung. Auch eine unvollständige Ausrüstung ist letztendlich eine ungeeignete Ausrüstung. Auch sollte man Sauerstoff dabei haben, wenn man Tauchgänge in solche Tiefen plant.

- nur ein Computer für zwei Taucher
- nur eine erste Stufe
- ...

Sowas begreife ich einfach nicht.

Klaus
Antwort von Breznbua Registriertes Mitglied am 27.08.2007 - 10:29
Zu diesem Tauchunfall möchte ich noch hinzufügen, dass beide Taucher im Raum Coburg zu Hause sind.
Somit war keiner der Beiden mit dem Tauchgebiet "Seeburg" am Starnberger See vertraut.
Antwort von Pulcher Registriertes Mitglied am 27.08.2007 - 13:38
Nachdem angeblich die "Leih"-Ausrüstung sichergestellt wurde dürfte es sich um nicht allzu
erfahrene Taucherkollegen gehandelt haben. Zuerst
die besten Genesungswünsche! Die beiden haben offensichtlich noch einmal Glück gehabt. Für alle
unerfahrenen sei aber noch einmal eindringlich darauf hingewiesen, daß der Starnberger See zumindest in Tiefen die über den Beginn der Steilwand hinuntergehen kein einfaches Tauchgewässer darstellt. Das mindeste wäre eine kaltwassertaugliche Ausrüstung mit zwei Atemreglern(2 erste Stufen!!), jeder einen Tauchcomputer (oder Tiefenmesser mit Tabelle und entsprechender Tauchgangsplanung), sowie das vorher geübte Beherrschen der Ausrüstung in geringeren Tiefen. Dazu wird für die erreichten
Tiefen auch ausreichende Erfahrung im Kalten Wasser benötigt. Bei einem Wiederholungstauchgang wieder über 40m darf davon ausgegangen werden, daß
relativ schnell eine Deko-verpflichtung beginnt. Wie soll eine solche mit nur einem Computer sicher gehändelt werden? Alle Taucher,welche ohne die oben genannten Voraussetzungen an der Steilwand im Bereich über 20m Tiefe Tauchgänge durchführen wollen, mögen bedenken, daß sie nicht nur ihre Gesundheit aufs Spiel setzen,sondern auch
die ihrer Tauchpartner und der Rettungskräfte.
Im übrigen droht bei der bekannten Mentalität von
Behörden, dauernde Rettungsaktionen am einfachsten
durch Verbote zu verhindern, die große Gefahr, daß
die großartigen Tauchplätze in Allmannshausen irgendwann der Vergangenheit angehören.
Antwort von boesewicht Registriertes Mitglied am 28.08.2007 - 11:54
Es wäre aber auch einmal ein Aufruf an alle umliegenden Basen sinnvoll ...

Leider gibt es noch viele Basen im Großraum München, die zu geringe Ausrüstung verleihen.
Ich persönlich kenne nur wenige Basen, wo zur Grundausstattung im Verleih ein Computer pro Taucher sowie 2 erste Stufen pro Taucher als Grundausstattung verliehen werden. Die anderen verleihen nur ungern Tauchcomputer und 2 erste Stufen schon gar nicht ...

Wenn die Basen etwas mehr darauf achten würden, was sie verleihen, dann dürften solche Unfälle mit zu geringer Ausrüstung nicht in dieser Form vorkommen ... (jedenfalls mit Leihequipment ...)
Antwort von TSTeufelsrochen Registriertes Mitglied am 28.08.2007 - 14:09
Zu bösewicht,
die Aufgabe der Basen/Geschäfte ist es nicht hochgezüchtete Ausrüstungen zu verleihen, sondern funktionierende zu verleihen (daran scheitert`s nämlich meistens).
JEDER bevetierte Taucher muss Wissen (wird auch in der Ausbildung gelehrt)was er an Ausrüstung für den entsprechenden Tauchgang braucht.
Wenn dies an der Sparsamkeit/Unwissenheit der Taucher scheitert ist das deren Problem und sollte nicht den Basen angeheftet werden.
Ein Problem ist, wenn Basen auf Nachfrage benötigte Ausrüstung nicht verleihen wollen/können. Dann sollte man sich eben eine andere Basis suchen oder seine Ausrüstung woanders ergänzen.
Antwort von Doris Registriertes Mitglied am 28.08.2007 - 14:03
man kann alles machen, wenn man es KANN.

Wichtig ist, dass man richtig handelt, wenn mal was aus dem Ruder läuft.
Wer das nicht kann sollte nicht zu tief tauchen.
Meiner Meinung nach passieren genau deswegen die meisten Tauchunfälle.
Viele Taucher haben bestimmte Sachen im Kopf, die dann, wenn etwas passiert, mit dem man nicht rechnete, ablaufen. Nur leider haben die meisten davon nicht hinterfragt, ob sie die richtigen Notfallpläne eingespeichert haben.

Ein durchdachter Taucgang kann bei einem Abblaser selbstverständlich ohne Notaufstieg beendet werden. Selbst mit nur einer ersten Stufe pro Taucher kann man immernoch das Ventil abdrehen und wechselatmung machen, bis der Regler wieder anständig arbeitet. Anschließend kann man unter Einhaltung der nötigen Sicherheits- oder Dekostopps den geordneten Rückzug antreten.

Leider ist die Selbstüberschätzung immer mehr verbreitet in unserer Gesellschaft. Ich weigere mich, das als Gedankenlosigkeit durchgehen zu lassen, denn die hat bei einer sog. Risikosportart nichts zu suchen.
Antwort von voffi Registriertes Mitglied am 30.08.2007 - 17:01
Hallo Doris und andere,
zunächst einmal möchte ich mich auch im Namen meines Tauchpartners herzlich bedanken für die Hilfe am Unfallort - oder besser am Ufer. Vor allem bei der jungen Tauchlehrerin und den anderen Tauchern, deren Namen ich jetzt leider, während ich diese Zeilen schreibe, nicht bei mir habe.
Was in diesem Forum geschrieben wird, ist alles völlig korrekt. Wir haben Fehler gemacht - vor allem, weil wir mit einer - für unser Vorhaben - unzureichenden Ausrüstung unterwegs waren. Unter Garantie wird uns das eine Lehre sein. Aber: Mit der Tauchausbildung ist es leider so, wie in der Fahrschulausbildung: Grau ist alle Theorie, aber entscheidend ist auf dem (Tauch)platz. Menschen sind in der Regel Menschen, die Fehler machen. Und in über 40 Metern Tiefe - zumal in einem Binnengewässer (unter gewissen Umständen verantwortungslos, ja doch, wissen wir inzwischen) - hilft es herzlich wenig, Tabellen zu Rate zu ziehen oder sich daran zu erinnern, dass man das ja eigentlich gar nicht hätte tun sollte; dass man sich in Lebensgefahr begeben hat, weil man nur einen Computer dabei hat oder schon zwei Jahre nicht mehr zusammen getaucht ist. In diesem Fall hilft nur eines: auf so einen Fall vorbereitet zu sein. Wie ein Fahrschüler, der mit 120 Sachen in eine Kurve geht, die normalerweise nur 80 verträgt.
Wie viele müssen im Straßenverkehr – gerade junge Menschen - sterben, weil wir den erhobenen Zeigefinger schwingen, anstatt zu lehren, wie man aus der Kurve trotzdem lebend heraus kommt, auch wenn man eigentlich gar nicht so schnell hinein gedurft hätte? Stattdessen lernen wir minutiös, wie man unter Einhaltung der Richtgeschwindigkeit Sprit spart.
Die Erfahrung lehrt hier wie dort: man kann die Dinge wenig ändern, aber man kann sich auf sie einstellen. In diesem Sinne bin ich heilfroh, dass der Tauchgang so verlaufen ist, wie er unter den gegebenen Umständen kaum glücklicher hätte verlaufen können: falsch von Anfang an, aber ohne jede Panik zuende gebracht. Das ist keine Entschuldigung, nicht einmal eine Erklärung, aber vielleicht tragen diese Zeilen dazu bei zu sagen: Ok: Jungs und Mädels, ihr wisst jetzt, was ihr nicht tun dürft. Solltet ihr trotzdem so dumm sein, habt ihr immer noch eine Chance, wenn...
Man kann alles machen, wenn man es kann, habe ich hier irgendwo gelesen. Das ist grundsätzlich – keineswegs nur was das Tauchen betrifft - falsch. Man muss sich nur die Historie derer zu Gemüte führen, die unten geblieben sind. Viele von ihnen haben sehr viel "gekonnt". Und trotzdem das Falsche getan. Leider. Wir sind glücklich aus unserem Fehlverhalten Lehren ziehen zu können – in der Sache natürlich – aber auch darüber hinaus.
Beste Grüße und allen Helfern noch mal ein dickes Dankeschön und ein festes Versprechen: es kommt nie wieder vor – bei uns nicht.
Antwort von rescue-diver Registriertes Mitglied am 30.08.2007 - 22:37
Zu den Kommentaren:
Ausrüstung nicht im Raum München geliegen sondern in Coburg.
Erfahrung der Taucher ca. 200 Tauchgänge in Süß- und Salzwasser.
Nicht an der Wand getaucht sondern am Grund entlang gerade in den See raus.
Laut Presse 25.08.07: kein Fremdverschulden, Abblasender Automat wegen einfrieren durch Ausatemluft.
Taucher befindet sich auf den Weg der Besserung.



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