Tauchunfall bei Brilon (14.5.) - Messinghausen Abgesandt von Armin am 15.05.2006 - 17:06:
In einem stillgelegten Steinbruch in der Gemarkung Mühlenberg in Brilon- Messinghausen kam es Sonntagvormittag zu einem Tauchunfall.
Der Steinbruch ist ca. 43 m tief und wird seit Jahren von Tauchsportlern aus ganz Deutschland genutzt. An dem gestrigen Tauchunfall waren drei Sporttaucher aus Oberhausen und Duisburg beteiligt.
Vermutlich in Folge eines "Panikausbruchs" tauchte der 34-jährige Duisburger aus einer Tiefe von ca. 32 Metern zu schnell auf und wurde bewusstlos. Er wurde durch seine Begleiter geborgen und am Unfallort von einer anwesenden Tauchärztin und einem alarmiertem Notarzt erstversorgt.
Der Duisburger wurde zur Weiterbehandlung mit einem Rettungshubschrauber der Bundespolizei in die Druckkammer nach Kassel geflogen. Der Betroffene war wieder ansprechbar und schwebt nicht in Lebensgefahr.
ich war da als der Tauchunfall in Messinghausen passiert ist. Nach Beschreibung der Buddies ist dem Verunfallten der Regler eingefroren. Daraufhin wechselte der Verunfallte auf das Zweitsystem wohl problemlos. Nach erfolgtem Wechsel auf das Zweitsystem ist bei ihm dann wohl die Panik ausgebrochen. Dabei riss er seinem Buddy den Regler aus dem Mund und schlug ihm die Maske vom Gesicht. Durch dieses Handgemenge ist ein Buddy auf 40m abgesunken. Der Verunfallte leitete durch diese Panik einen Notaufstieg ein. Der dritte Buddy wollte ihn wohl noch festhalten, was aber nicht klappte. Die beiden Buddies führten einen normalen Aufstieg durch. Der Verunfallte wurde an der Oberfläche sofort von einigen Apnoe-Tauchern zum Steg gebracht. Seine Buddies waren zu dieser Zeit noch unter Wasser.
Wir machten uns gerade auf den Weg ins Wasser als der Unfall passierte. Da wir eine Taucherärztin dabei hatten, konnte sie ihn sofort versorgen. Das war wohl seine Rettung. Er wurde dann vom Rettungswagen bzw. später Hubschrauber in Krankenhaus geflogen.
Gibt es schon Informationen über den Verunfallten, geht es ihm inzwischen besser?
Ich wünsche ihm auf jeden Fall eine gute Besserung, auf das er bald wieder Tauchen gehen kann.
Aber wieder ist ein Tauchunfall durch einen abblasenden Lungenautomat ausgelöst worden....
Und wieder war der Vorgang nach vorherrschender Lehrbuchmeinung:
Mal eben auf das sek. System wechseln, und mal eben prim. schließen (wer denn dann auch immer...)
Wo genau das eigentliche Problem letztendlich lag:
1. Prim. wurde dann doch nicht geschlossen.
2. Sek. lieferte dann mal keine/nicht genug Luft.
3. Sek. bließ gleich mit ab.
spielt dabei doch eigentlich gar keine Rolle.
Vielleicht ist ja die wahre Unfallursache eine ganz andere, dass nämlich dieses Verfahren/Lehrbuchmeinung noch nicht wirklich ausgereift ist, oder ich würde eher sagen, stark verbesserungswürdig ist?
Inzwischen gibt es da wesentlich besser Optionen, die nur leider nicht zur Anwendung kamen....
Der Auslöser war sicher der abblasende Automat, aber ich glaube auch, dass der in Wirklichkeit erst eine Kette von Vorgängen in Gang gesetzt hat.
Trotzdem bin ich mir auch sicher, das es ohne dieses auslösende Moment, auch nie zu dieser Kette gekommen wäre.
Über die Häufigkeit dieses Auslösers (Abblasen/Vereisung) für Tauchunfälle kann man sich sehr leicht einen Überblick verschaffen, indem man
einfach mal nach diesen beiden Worten im Taucher.net sucht...
Messinghausen kenne ich seit 93, dort ist übrigens quasi die Alternative zum herkömmlichen Verfahren für mich entstanden.
Gruß
scuba62
Antwort von hippocampus am 17.05.2006 - 12:16 @ scuba62
beschreibe die alternative doch mal, ist bestimmt für viele andere auch hilfreich.
gute besserung an den verunglückten
gruß hippo
Antwort von KFX700 am 17.05.2006 - 08:54 Hallo Zusammen,
erstmal kann ich euch Alle beruhigen, dem Kollegen aus Duisburg geht es wieder gut....kam am Montag wieder nach Hause....hat außer dem Schock nichts zurückbehalten.
Als direkter Beteiligter kann ich nur sagen, dass mein Buddy versucht hat, das Primärsystem zu schließen, doch dazu leider nicht mehr gekommen ist...da er durch die Panikreaktionen des letztendlich verunglückten Buddys handlungsunfähig war, sprich Maske vom Gesicht, Atemregler rausgerissen....Meiner Seits kann ich nur sagen, dass ich noch versucht habe ihn am Auftauchen zu hindern, sprich wollte ihn greifen, habe zusätzlich noch die Luft aus meinem Jacket herausgelassen um ihn entgegenzuwirken. Habe ihn leider nur an der Flosse erwischt, und hält niemand einen in panikgeratenen, strampelnden Taucher und schon gar nicht mit Handschuhen. Anschließend bin ich dann auf 42 m durchgesackt.
Antwort von scuba62 am 17.05.2006 - 13:51 @KFX700
"....hat außer dem Schock nichts zurückbehalten. "
Na das hört sich doch mal erfreulich an.
Ich glaube da habt ihr alle drei ein echtes Sch... Erlebniss gehabt, um das ich euch wirklich nicht beneide.
Könnt der Auslöser der Panik sein, dass das prim. System nicht schnell genug geschlossen wurde?
@hippocampus
Hier der Link zu einer Möglichkeit um mit abblasenden Automaten ohne Probleme klar zu kommen:
Damit kannst du einen ganzen TG mit einem abblasenden Automaten (aus dem du weiteratmest..) durchführen, und deine Sicherheit ist nicht wirklich dabei gefährdet.
Gruß
scuba62
Antwort von KFX700 am 17.05.2006 - 14:40 @scuba62
"Könnt der Auslöser der Panik sein, dass das prim. System nicht schnell genug geschlossen wurde?"
Also das kann ich nur dementieren, der verunglückte Buddy nahm zuerst ganz normal und OHNE Stress seinen Octopus. Der andere Buddy versuchte darauf hin OHNE zu zögern das prim.System zu schliessen...aber dazu ist er nicht mehr gekommen !! Warum unser Kollege auf einmal in Panik geraten ist....keine Ahnung ??? Müssen wir wohl mal bei einem Dekobierchen diskutieren.....
Antwort von Silberflosse am 18.05.2006 - 22:27 @scuba62
"Damit kannst du einen ganzen TG mit einem abblasenden Automaten (aus dem du weiteratmest..) durchführen, und deine Sicherheit ist nicht wirklich dabei gefährdet."
Verbreite bitte nicht so einen Schwachsinn, hier lesen auch Anfänger mit!!!!!
Ein Tauchgang , bei dem ein Problem mit einem Regler besteht, der wird im "Sporttauchbreich"
abgebrochen. Dazu gibt es keine Alternative.
Gruss
Antwort von scuba62 am 19.05.2006 - 09:35 @Silberflosse
"Verbreite bitte nicht so einen Schwachsinn, hier lesen auch Anfänger mit!!!!! "
Ich schrieb "kann", nicht muß oder soll!
Was hat das mit Anfängern zu tun, was man macht wenn der Automat abbläst?
Gab es da denn bisher unterschiedliche Vorgehensweisen, für Anfänger und Fortgeschrittene?
Ich glaube die Unterschiede gibt es nur für gelenkige und ungelenkige, selber zudrehen oder auch noch auf dem Buddy angewiesen zu sein.....
"Ein Tauchgang , bei dem ein Problem mit einem Regler besteht, der wird im "Sporttauchbreich"
abgebrochen."
Vielleicht wird dies so gelehrt, genauso wie es gelehrt wird auf das sek. System zu wechseln wenn prim. Abbläst..
Den Wechsel auf sek. halte ich inzwischen für überholt und falsch, dafür gibt es div. technische Möglichkeiten wo dies nicht
mehr erforderlich ist.
Den erste Teil, mag doch jeder für sich selbst entscheiden.
Wenn es eine Vereisung ist, wodurch der Automat abbläst, taut die innerhalb kurzer Zeit (wenige min) sogar trotz Atmung auch wieder auf.
Muß man dann denn immer noch abbrechen, obwohl gar kein "Problem" mehr besteht?
Ich habe auf jeden Fall schon mal einen TG gemacht, bei dem die Luftdusche gedrückt war. Hat hervorragend funktioniert...
Fällt unter die Rubrik "Entdecke die Möglichkeiten......"
"Dazu gibt es keine Alternative. "
Ich glaube Panik ist der Stoff der mangels Handlungsalternativen entsteht, und genau die gilt es doch zu vermeiden....
Gruss
scuba62
Antwort von Silberflosse am 19.05.2006 - 14:16 @scuba62
Natürlich gibt es in der Vorgehensweise keinen Unterschied.
Anfänger neigen jedoch mehr dazu, alles, was hier geschrieben wird, zu glauben und nachzumachen.
Ansonsten ist es hier ja nur eine Diskussion und jeder kann für sich entscheiden, was er macht oder sein lässt
Dabei sollte er nur seinen Buddy nicht gefährden.
Viele Grüsse
Antwort von scuba62 am 20.05.2006 - 09:59 @Silberflosse
"Anfänger neigen jedoch mehr dazu, alles, was hier geschrieben wird, zu glauben und nachzumachen."
Um so besser, wenn ich es nicht für Nachahmenswert halten würde, würde ich es nicht schreiben..
Das Anfänger nicht unbedingt den Bereich aufsuchen sollten wo Automaten abblasen, ist eine Seite.
Das es viele aber trotzdem tun, steht doch auf einen ganz anderen Blatt. Ausserdem habe ich inzwischen sogar schon von einigen Fällen gehört, wo Automaten sogar im Flachbereich <20m abgeblasen haben.
Simulierstes AMV50 (dürfte einer Wechselatmung nahekommen) reichte dazu vollkommen aus.
Und wenn Anfänger dann schon in Bereiche vordringen, wo die Wahrscheinlichkeit für einen Abblaser steigt, dann sollten sie es meiner Meinung nach doch besser gut ausgerüstet/vorbereitet tun.
"Ansonsten ist es hier ja nur eine Diskussion und jeder kann für sich entscheiden, was er macht oder sein lässt"
Da hast du vollkommen recht, und das ist auch der Grund warum ich schreibe, damit sich jeder selbst ein Urteil bilden kann...
"Dabei sollte er nur seinen Buddy nicht gefährden."
Eine Gefährdung des Buddy geht aber wirklich nicht davon aus..., ausser vielleicht das man ihn nicht mehr ganz so dringend benötigt, wie vorher...
Aber den Buddy gleich ganz Abzuschaffen halte ich dennoch für verfrüht.
Ich habe hier ein Stück Technik und ein Verfahren vorgestellt, wie man dieses Stück Technik am effektivsten anwendet.
Die Folge, bei Einsatz dieser Technik und bei entsprechender Anwendung ist ein 100% Schutz vor abblasenden Automaten gegeben.
Geeignet halte ich diese HD-Absperrmöglichkeit für alle (Anfänger, Fortgeschrittene, Profis, ...) bei denen die Kombination Kalt und Tief auftritt.
Die Technik kann man kaufen, das Verfahren kann man gefahrlos üben. Dazu braucht man sich noch nicht einmal den Automaten wirklich zu vereisen, es reicht vollkommen wenn
man dieses durch drücken der Luftdusche simuliert.
Geschrieben habe ich inzwischen zu drei TU (die relativ kurz hintereinander passierten):
Wörthersee 16.4.
Epplesee 30.04.
Messinghausen 14.05. (dieser hier)
Ich bin immer noch davon überzeugt, dass alle drei TU (und noch viele andere) mit dieser HD-Absperrmöglichkeit so nicht passiert wären.....
Bist du anderer Meinung?
Gruss
scuba62
Antwort von bigmike am 20.05.2006 - 19:40 Hi!
Habt ja nochmal Glück gehabt. Meiner Meinung nach, sollte ein Vereisen kein Problem darstellen.
Man sollte auf das 2 System wechseln, das 1 System schließen, danach wir der Tauchgang ganz normal beendet( Gasverlust - Tauchgangsplanung )laut Lehrbuch. In Normalfall wird auf 2 gewechselt, 1 geschlossen und einige Meter aufgetaucht, danach wir die 1 wieder geöffnet, und mit dieser der Tauchgang ( sofern es das Finimeter zulässt ) weitergetaucht.
Antwort von kwolf1406 am 21.05.2006 - 00:18 @ Silberflosse
>> Ein Tauchgang , bei dem ein Problem mit einem Regler besteht, der wird im "Sporttauchbreich"
abgebrochen. Dazu gibt es keine Alternative.<<
Natürlich gibt es Alternativen. Nachdenken, Entscheiden, Handeln.
Auch auf die Gefahr hin, oft Gehörtes nochmals zum Besten zu geben:
Im Sporttauchbereich (Luft/Nitrox mit überschaubarer Dekoverpflichtung und demenstrepchender Ausrüstung) passieren solche Szenarien leider sehr oft. Es ist schön daß es Eurem Buddy gut geht und er den Vorfall mit einem Schrecken überlebt hat. Ich glaube 2 Kernpunkte daran zu erkannt zu haben:
1. Man ist nicht gewohnt mit seinen Problemen an Ort und Stelle umzugehen. D.h. der sicherste Punkt wird immer noch die "rettende" Oberfläche angesehen.
2. Man ist nicht ausreichend genug geübt, um wenigstens die Hauptproblemszenarien UW zu lösen.
Um den zu begegnen müßte die Ausrüstung angepaßt werden. Optimierung für die Gasspende (langer Zweit-Reglerschlauch und Zweitautomat gleiche Qualität wie Erstautomat). Ferner muß die Gasversorgung getrennt absperrbar sein und diese muß vom Taucher selbst zugänglich sein. Entweder durch Doppelflaschenkonfiguration oder durch Verlängerungswellen, oder viel Training.
Wenn jetzt beide Szenarien hinlänglich oft geübt werden, werden sie im Ernstfalle auch beherrscht. Und was noch wichtiger ist, der Taucher weiß dass er sie beherrscht und Panikattacken werden wegen eines deutlichen Stressrückgangs geringer.
Ob dann ein Tauchgang abgebrochen wird, kann in Ruhe entschieden werden, überhastete Vorgänge sind nicht mehr notwendig.
Vielleicht sollte mal jeder Taucher den eigenen Status auf o.g. Punkte hin untersuchen.
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