Tödlicher Eistauchunfall im Breitenauer See (gm) Abgesandt von Redaktion am 08.02.2010 - 09:05:
Ein 44-jähriger Hobbytaucher aus Forchtenberg ist am Sonntag im Breitenauer See tödlich verunglückt. Alleine war der Mann gegen acht Uhr am Morgen zu einer Tauchtour unter das Eis des weitgehend zugefrorenen Sees aufgebrochen. Als er bis etwa 11 Uhr nicht nach Hause zurückgekehrt war, rief seine besorgte Ehefrau die Polizei an.
Ein Großaufgebot an Rettungskräften suchte nach dem Vermissten. Mehrere Taucher von Feuerwehr und DLRG gingen von der Uferstelle bei Obersulm-Weiler, wo man Taucherutensilien des Mannes gefunden hatte, in den trüben See. Zweieinhalb Stunden blieb die Suche erfolglos. Gegen 17 Uhr zogen die Helfer einen toten, starren Körper in schwarzem Taucheranzug aus dem rund vier Grad kalten Wasser. Der Notarzt konnte nur noch den Tod des Mannes feststellen.
45-Minuten-Grenze
Warum der Forchtenberger alleine, ohne Sicherungsleine und Helfer am Seerand, unter das Eis getaucht war, konnte sich keiner erklären. Solche Sicherungsmaßnahmen sehen die Sporttaucherregeln vor. „Man sieht gleich Null unter Wasser“, sagte ein Taucher der Rettungskräfte. Nach 30 Minuten im See seien seine Füße relativ gefühllos gewesen. „Auf keinen Fall“ würde er alleine hier tauchen gehen. Insgesamt werde es für Taucher bei diesen Bedingungen „ab 45 Minuten kritisch“, erklärte Heilbronns Feuerwehrkommandant Eberhard Jochim. „Dann müssen sie raus.“
Die Polizei setzte sogar einen Hubschrauber ein, um aus der Luft möglicherweise schemenhafte Umrisse unter dem Eis orten zu können. „Wir haben alles versucht, aber es hat nichts gebracht“, sagte Hauptkommissar Alexander Bubas.
80 Einsatzkräfte von Feuerwehr, DLRG, Rotem Kreuz und Polizei waren vor Ort, zusätzlich ein Notfallseelsorger, der sich um die Ehefrau des Vermissten am Seeufer kümmerte. Eine Eisschicht sei „knallhart, die bekommen sie als Taucher nicht durch“, erklärte DLRG-Einsatzleiter Stefan Schmidt. Es habe durchaus seine Reiz, unter Eis zu tauchen, um die Eisstrukturen und die Lichtspiele genau zu beobachten. „Aber niemals alleine.“
Gegen 16 Uhr setzten die Helfer Motorsägen ein, um auf rund 50 Meter Länge eine zehn Zentimeter breite Schneise ins Eis zu sägen. Ein großes Fischernetz wurde in die Schneise abgelassen und unter dem Eis Richtung Ufer gezogen, dorthin, wo die Eisschollen gebrochen waren. „Wir haben ihn“, sagte Eberhard Jochim gegen 16.58 Uhr, als ein schwarzer Körper in Ufernähe zu sehen war. Für den Forchtenberger, an dessen Auto eine Taucherfigur mit erhobenem Daumen klebt, war es jedoch zu spät.
** entnommen einer Pressemitteilung des Kreisfeuerwehrverbandes Heilbronn**
Antwort von **-diver am 08.02.2010 - 10:11 Den Unfall hatte ich auch an die Redaktion gemeldet - allerdings nicht ohne Kommentar.
Wenn sich alles so zugetragen hat, wie berichtet, dann fällt es (zumindest mir) sehr schwer, keinen Kommentar dazu abzugeben, der über absolutes Unverständnis hinaus geht.
Mein Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen ...
Antwort von h1o am 08.02.2010 - 10:21 Pressebericht hier: Hier klicken Scheinbar war der Taucher nicht nur alleine unterwegs, sondern hat auch das Ziel des Tauchgangs niemandem erzaehlt, so dass man zuerst einmal das Auto finden musste... Da ist - unabhaengig von anderem, leider die Chance zur Rettung endgueltig vertan. Mein Mitgefuehl der Familie.
OH
Antwort von gunther am 08.02.2010 - 11:03 Uns allen ist klar, dass in diesem Fall die Planung und Durchführung des TG nicht hinreichend war.
Ich bitte um Verständnis, dass wir nicht alle Beiträge hierzu veröffentlichen möchten. Ich habe deshalb 2 exemplarische Kommentare freigegeben, die die Beiträge aller gut wiederspiegeln.
Antwort von Howie am 08.02.2010 - 11:03 Hier zwei Links zu dem Unfall.
Antwort von neptun46 am 08.02.2010 - 15:59 Traurig aber wahr, unbeschreiblich die Vorgehensweise des Verunfallten.
Hoffentlich eine Lehre für alle anderen Taucher !
Nur als Hinweis für Leute die denken im Breitenauer See könne man Tauchen. Der See ist nichts anderes als ein Regenrückhaltebecken von den umliegenden Weinbergen fließen die Regenmassen dorthin ab, nach mehreren Hochwassern im Weinsberger Tal, wurde das Becken vor Jahren erbaut. Die max. Tiefe
ist ca. 12 meter, davon ca. 2 meter Schlamm.
Sicht rund ums Jahr null. Da gibt es an Neckar und Jagst, und die sind auch nicht gut, bessere Bedingungen.
Antwort von gunther am 08.02.2010 - 16:15 Nochmals die Bitte:
Hier werden nur neue Hinweise, gezielte Fragen von allgem. Interesse und Hinweise zur Vermeidung (aber nur 1x) veröffentlicht. Beileidbekundungen, Wiederholungen und allgemeine Kritik ohne Lerneffekt lassen wir nicht zu.
Antwort von musher am 08.02.2010 - 16:27 Wo kommt nun die Aussage her, daß Niemand wußte, wo err tauchen wolle?
Wie sieht es überhaupt gesetzlich aus?
Ist in diesem Gewässer an sich Tauchen erlaubt?
Antwort von Howie am 08.02.2010 - 22:01 Im Breitenauer See ist Tauchen erlaubt.
Er ist Regenrückhalte- & Badesee und Naherholungsgebiet.
Er ist übrigens 16 m tief mit lehmigem Grund und ca 50 cm Schlamm.
Antwort von gekko73 am 08.02.2010 - 23:07 @musher:
in Baden Württemberg ist das Tauchen grundsätzlich überall erlaubt, wo es nicht explizit verboten bist. Ein Verbot verhängt im allgemeinen die Kommune. Dahingehend unterscheidet sich BW von den meisten anderen Bundesländern, wo Tauchen generell NICHT zum "Gemeingebrauch" von Gewässern gehört, und einer expliziten Erlaubnis bedarf.
Ganz unabhängig aber, ob es in dem See erlaubt oder verboten ist, ist es absulut fahrlässig, SO zu tauchen und kann, wie man sieht, fatale Auswirkungen haben.
Ich möchte mich hier auch nicht weiter dazu äussern, denn dies wurde sicher schon mehrfach getan, wie gunther (Moderator) ja auch klar darlegte, aber eines möchte ich auf jeden Fall loswerden.. mit solchen Kamikazeaktionen, wird das Image der Taucher noch weiter geschädigt und was auch mal ruckzuck wieder eine Seesperrung zur Folge haben kann.
Also: Taucht mit Verstand, denn es geht nicht nur um Euch! Es geht auch um eure Angehörigen und die ganze Tauchergemeinde!
Antwort von gekko73 am 08.02.2010 - 23:29 Ein paar grundsätzliche Dinge zum Eistauchen:
in meinen Augen nur sicher mit 4 Personen möglich.
Ein Zweierteam, welches Taucht und mit einer Leine gesichert ist. Lange Leine am einem Taucher und der ander Taucher mit kurzer Leine an diesem fixiert. Ansändige Knoten machen!
Ein Leinenmann, der am Loch steht (im Trocki) und Leine "straff" hält. Die Leine wird aber dennoch so lange gewählt, dass sie bequem am Ufer an einem Baum gebunden werden kann. Würde der Leinenmann ins Loch fallen oder aus einem anderen Grund die Leine loslassen, dann wird somit verhindert, dass das Leinenende in´s Loch rutscht.
Leinenkommandos vereinbaren!
Neben dem Leinenmann wartet ein fertig angerödelter Taucher mit kurzer Leine und Karabiner, um sich im Notfall an der Leine einzuhaken und an ihr entlangzutauchen, um den beiden Tauchern zu Hilfe zu kommen.
Eine Leine verwenden, die schwimmt und sich somit nicht in Gestrüpp am Grund verheddert.
Bei einer längeren Tour ggf. ein paar Kleine Notlöcher entlang der Route vorsehen.
Vielleicht bin ich auch übervorsichtig, aber wenn ich Eistauchen gehe, dann will ich mir keine Sorgen machen müssen, sondern es geniessen!
Antwort von ag2908 am 09.02.2010 - 09:55 Gekko73 hat die wichtigsten Eistauchregeln hier schon beschrieben.Es sollte aber noch ergänzend erwähnt werden,dass wenn auf dem See Schnee liegt,ein Strahlenmuster in Richtung Ausstiegsloch die Orientierung sehr erleichtert und daher unumgänglich ist.
Die richtige Ausrüstung und Anzug sollte eigentlich selbstverständlich sein.Allerdings entdeckte ich vor kurzem ein Angebot einer Tauchschule für einen Eistauchgang, indem beim Thema Kälteschutz stand:"Trocken- oder Halbtrockenanzug".
Antwort von coldwaterdiverin am 09.02.2010 - 10:13 @gekko73
Ich gebe Dir im vollem Umfang Recht. Eistauchen erfordert besondere Maßnahmen und Verfahren.
Wir haben noch mehr Vorkehrungen sicher unter Eis zu gehen:
Die Leine wird beschränkt auf max. 40m. Manchmal ist kein Baum in unmittelbarer Nähe, daher verwenden wir eine Eisschraube. Und wir haben zwei Sicherungstaucher an einer Extraleine - einer allein kann im Notfall überfordert sein.
Unsere Erfahrung hat gezeigt, nicht zu viele Leinensignale zu vereinbaren - das verwirrt nur und im Notfall braucht man nur eins ==> Rausholen!!
Das wichtigste aber aus meiner Sicht ist eine vernünftige Ausbildung, niemals unter´s Eis ohne Ausbildung und dem Wissen um die Verfahren / Risiken etc.
Hoffendlich nehmen sich das alle zu Herzen und es passieren keine solchen Unfälle mehr.
Antwort von FANATIC DIVER am 09.02.2010 - 12:51 Ohne die Ermittlungs-Ergebnisse kann m.E. nicht gesagt werden, ob es ein TU war, der ursächlich am Eistauchen gelegen hat.
Sicher jedoch scheint, dass es ein Solo-TG war.
Die oberste VDST-Regel lautet: "Tauche nie allein!"
Eistauchen wird ohnehin immer wieder kontrovers diskutiert. Und ich habe schon (wie ich finde: wesentliche) Unterschiede zwischen FIT und VDST festgestellt bzgl. Eistauchen. Und beide Verbände sind in der CMAS.
Selbstverständlich kann man auch in einem passenden HT-Anzug Eistauchgänge machen.
Wichtig ist, dass man die Signale des Körpers ernst nimmt und darauf richtig reagiert (gilt auch für den Trocki)
@Coldwaterdiverin,
auch hier widerspreche ich, allerdings sollte man schon die erste Zeit mit eistaucherfahrenen Leuten losziehen.
Antwort von coldwaterdiverin am 13.02.2010 - 14:57 @Doris
ich sprach von "Ausbildung", nicht von Brevets / Kärtchen / Erfahrungsnachweisen! Mit wem man die Ausbildung macht / oder "loszieht", kann jeder für sich entscheiden. Wichtig ist nur, das derjenige (Ausbilder) auch wiklich die Verfahren / Regeln kennt und weiter gibt.
@Fanatic Diver
Die oberste Padi-Regel lautet: "Tauche nie allein!"
Antwort von fundiver10 am 24.02.2010 - 22:25 @gekko73 @ag2908 @coldwaterdiverin
danke für eure ausführungen.
@gekko73, lieber gehe ich mit einem Übervorsichtigen unter Eis als mit einem Leichtsinnigen.
Bei meinen Eis-TGs waren wir immer 6 einsatzbereite Taucher:
2 mit Buddyleine verbunden an der Hauptleine des Leinenführers.
Und das komplette Team noch einmal sofort einsatzbereit außerhalb.
Die bereits genannten Sicherheitsvorkehrungen natürlich auch.
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